ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2019Gleichwertigkeitsprüfung für Ärzte aus Drittstaaten: Drittes Staatsexamen umsetzen

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Gleichwertigkeitsprüfung für Ärzte aus Drittstaaten: Drittes Staatsexamen umsetzen

Dtsch Arztebl 2019; 116(39): A-1706 / B-1409 / C-1381

Maibach-Nagel, Egbert

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Der Ärztemangel erfordert auch den Einsatz ausländischer Ärzte. Sprach- und Gleichwertigkeitsprüfungen regeln den Zugang. Für die Aufnahme ärztlicher Tätigkeit forderte der Deutsche Ärztetag, dass Ärzte aus Drittstaaten einheitlich eine Prüfung analog dem dritten Staatsexamen ablegen.

Die Gleichwertigkeitsprüfung für Ärzte aus Drittstaaten ist eine Maßnahme zum Erhalt der Patientensicherheit. Foto: picture alliance, dpa
Die Gleichwertigkeitsprüfung für Ärzte aus Drittstaaten ist eine Maßnahme zum Erhalt der Patientensicherheit. Foto: picture alliance, dpa

Die Zahl der in Deutschland berufstätigen Ärzte ist im vergangenen Jahr gegenüber 2017 leicht auf insgesamt 392 402 gestiegen. Darunter sind immer mehr angestellte und in Teilzeit beschäftigte Ärzte. Die Zahl der Behandlungsfälle steigt, medizinischer Fortschritt, höheres Lebensalter und ein in großem Umfang zu erwartender beruflicher Rückzug der älteren Ärztegeneration werden den Ärztemangel weiter verstärken.

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Der diesjährige 122. Deutsche Ärztetag in Münster hatte deshalb seine Forderung nach einer konsequenten ärztlichen Nachwuchsförderung bekräftigt. Notwendig seien deutlich mehr Studienplätze in der Humanmedizin. Das Petitum steht, braucht aber auch nach Umsetzung noch über ein Jahrzehnt, bis diese Ärztinnen und Ärzte einsetzbar sind. Aktuelle Entlastung schafft der Zuzug von Ärzten aus dem Ausland. Die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärztinnen und Ärzte ist im Jahre 2018 um rund 3 500 auf annähernd 55 000 gestiegen. 11,8 Prozent der in Deutschland berufstätigen Ärzte haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. „Ohne sie wäre die gewohnte Patientenversorgung nicht mehr aufrechtzuerhalten“, bekräftigte jüngst Westfalen-Lippes Ärztekammerpräsident Dr. med. Theodor Windhorst.

Bundesweit einheitliches Vorgehen erforderlich

Die Hürde für den Einsatz der insbesondere aus Staaten außerhalb der Europäischen Union kommenden Ärzte ist – neben der Aneignung von Sprachkenntnissen auf hohem Niveau – der Nachweis der ärztlichen Qualifikation. Die gesetzlichen Vorgaben zur Prüfung sind zwar identisch, in der Praxis gibt es jedoch zwischen den Bundesländern, denen die Prüfungen obliegen, Unterschiede. Die Spannbreite reicht von der Entscheidung nach Aktenlage bis zur mündlich-praktischen Kenntnisprüfung.

Das sei eine für die Sachlage nicht ausreichende Vorgehensweise, findet Sachsen-Anhalts Lan­des­ärz­te­kam­merpräsidentin Dr. med. Simone Heinemann-Meerz: „Die Gleichwertigkeit des Ausbildungsstandes mit den gegebenen Regelungen zu ermitteln, ist schwierig. Die Kenntnisprüfung entspricht nicht dem Umfang des deutschen Staatsexamens, wird von 42 Prozent der Ärzte aus Drittstaaten auch nicht bestanden.“ Hinzu komme, dass für die Prüfung beigebrachte Urkunden letztlich nicht hinlänglich überprüfbar seien. Heinemann-Meerz: „Es sind auch Fälschungen in Umlauf. Selbst Originalzeugnisse sind, so unsere Erfahrungen, mitunter leider auch käuflich.“

Notwendig sei ein bundeseinheitliches Vorgehen, vor allem ein bundesweites Zentralregister über die nicht bestandenen Kenntnisprüfungen. Gegenwärtig dauere das Anerkennungsverfahren über die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe aufgrund der großen Antragszahlen zu lange, sei für die Antragsteller selbst nicht zumutbar.

Qualifikationsnachweis zur Sicherheit der Patienten

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hatte gemeinsam mit anderen Ärztekammern auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster den Beschlussantrag gestellt, dass ausländische Ärzte mit einer Drittstaatenausbildung durch das Ablegen einer Prüfung analog dem dritten Staatsexamen ihren gleichwertigen Kenntnisstand nachweisen sollen, wenn sie hier ärztlich tätig werden wollen. „Der Nachweis einer unseren Standards entsprechenden Qualifikation ist wichtig, gerade auch für die Sicherheit unserer Patienten.“ Schon deshalb müssten sowohl die sprachlichen als auch die medizinischen Kenntnisse dieser Ärzte gewährleistet sein, so Heinemann-Meerz. Sie fordert erneut die bisher nicht erfolgte Umsetzung des auf dem 122. Ärztetag verabschiedeten Beschlusses: „Das dritte Staatsexamen ist die beste und einfachste Form der Überprüfung.“ So wären einheitliche Standards sowohl für in- wie auch ausländische Kollegen gewährleistet, Inländerdiskriminierung würde vermieden: Immerhin stehe eine lange Warteliste hoch qualifizierter Bewerber für das Medizinstudium einem Vorgehen gegenüber, „das Kollegen ins System bringt, deren Qualifikation sicher hinterfragt werden muss“. Eine gleichwertige Prüfung gewährleiste das.

Egbert Maibach-Nagel

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