ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2019Belegärzte: Sensibilisiert
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... Während im Belegkrankenhaus ständig um die untere Grenzverweildauer gekämpft wird, damit möglichst alle HNO-Patienten aus Sicht der Kassen in eine Ein-Tages-DRG kommen, damit weniger Geld an die Klinik fließt, erlebe ich persönlich, dass es aber auch anders geht. Neben der belegärztlichen Tätigkeit operiere ich nämlich auch in einer Praxisklinik. Hier gibt es auch innovative Kooperationsverträge, vor allem mit der DAK- und der TK-Versicherung, die hier einmal löblich erwähnt werden sollen, die zeigen, dass es auch eine patientenorientiertere Versorgung gibt. Hier werden Patienten, bei denen es indiziert ist, stationär behandelt, weil es die Komorbiditäten erfordern oder wenn andere Gründe (keine häusliche Betreuung nach der Vollnarkose etc.) vorliegen. Ist eine ambulante Operation möglich, wird diese auch ambulant durchgeführt, ohne dass sich die Vergütung sofort dramatisch verschlechtert. Wenn es den Patienten nach einem Tag stat. Aufenthaltes gut geht, werden sie auch entlassen und nicht durch irgendwelche Argumentationen krampfhaft zwei oder mehr Tage in der Klinik behalten, um Abschläge der DRGs bei Unterschreitung der unteren Grenzverweildauer zu verhindern, wie dies Praxis in vielen auch Hauptabteilungen ist. Dort werden die Patienten häufig auch mindestens drei Tage stationär behandelt, da „die Krankenkassen dann auch weniger nachfragen würden“, wie mir ein DRG-Beauftragter einer größeren HNO-Abteilung mitteilte. Ist dies eine moderne Patientenversorgung 2019? Wir Operateure lassen die Patienten länger als ggf. nötig im Krankenhaus, damit die Vergütung für die erfolgte Leistung auch adäquat bzw. zumindest kostendeckend ist?

Durch diese Verträge im Rahmen der besonderen Vergütung mit der DAK und der TK in unserer Praxisklinik ist es also möglich, die Patienten zu versorgen, wie es für sie am besten ist. Die Zufriedenheit der Patienten ist außerordentlich hoch. Leider gibt es aber immer wieder politische Institutionen wie das Bundesversicherungsamt und andere Stellen, die innovativen Konzepten oft kritisch gegenüberstehen. Die Gründe hierfür kann ich nur erahnen.

Zusammenfassend möchte ich für den Artikel und damit die Sensibilisierung für uns Belegärzte danken. Ich denke, dass das Belegarztsystem ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass eine Verzahnung von ambulanten und stationären Bereichen auf hoher Qualität möglich ist, jedoch müssen Vergütung und Organisation der gegenwärtigen Situation angepasst werden. Ich hoffe für die Zukunft, dass auch innovative Konzepte weiter nach vorne gebracht werden, damit wir unsere Patienten bestmöglich versorgen und operieren können bei akzeptablem Lohn für unsere Arbeit.

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Dr. med. Gero Quante, 50996 Köln

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