ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2019Freie Arztwahl: KBV-Chef will Zugang über Wahltarife steuern

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Freie Arztwahl: KBV-Chef will Zugang über Wahltarife steuern

Dtsch Arztebl 2019; 116(37): A-1576

KNA; dpa; afp

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich dafür ausgesprochen, die freie Arztwahl zu begrenzen. KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen kritisierte, dass viele Patienten zu oft verschiedene Fachärzte aufsuchten und so unnötig Kosten verursachten. Die Gesundheitskarte funktioniere wie eine Flatrate, „und es gibt Patienten, die das gnadenlos ausnutzen“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Es könne „dauerhaft kaum jedem Patienten sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen, und oft noch zwei oder drei Ärzte derselben Fachrichtung“, fügte Gassen hinzu. Statt der Wiedereinführung der Praxisgebühr schlägt er eine Versicherungsreform gegen Ärztehopping durch Wahltarife vor: „Wer sich verpflichtet, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, sollte von einem günstigeren Kassentarif profitieren.“ Wer „jederzeit zu jedem Arzt“ gehen wolle, müsse mehr bezahlen. Die Forderung stieß auf breiten Widerstand. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte den Vorstoß in der Augsburger Allgemeinen „unverschämt und dreist“. Auch Vertreter der Kassen kritisierten die Idee. „Sollen hier durch die Hintertür Strafzahlungen für kranke Menschen vorbereitet werden, die sich hilfesuchend an die vermeintlich falsche Stelle wenden?“, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands. Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, erklärte der Rheinischen Post, er halte den Ansatz für „vollkommen verfehlt“. Der freie Arztzugang sei ein „hohes Gut“. Steuerung müsse über Belohnung und nicht über Bestrafung erfolgen. Die Chefin der Techniker Krankenkasse in Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, glaubt, dass die Idee „im Grunde die Wiedereinführung der Praxisgebühr“ bedeutet. Diese habe aber keine steuernde Wirkung entfaltet, sondern nur Ärger für Patienten und Ärzte bedeutet. kna/dpa/afp

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