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Dtsch Arztebl 2016; 113(39): A-1689 / B-1427 / C-1403


Beerheide, Rebecca

Honorarabschluss für 2017: 815 Millionen Euro mehr für Versorgung

POLITIK


Vertragsärzte und Krankenkassen haben sich in einer zügigen Verhandlungsrunde auf die Vergütung für 2017 verständigt. Auch bei der Vergütung für das Erstellen eines Medikationsplans konnten sich beide auf zusätzliche 163 Millionen Euro verständigen.

Auf einen Medikationsplan haben Versicherte ab dem 1. Oktober einen Anspruch. Dafür bekommt der Hausarzt vier Euro. Foto: Fotolia/Ronstik

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben sich am 21. September in der Sitzung des Bewertungsausschusses auf eine Honorarerhöhung für niedergelassene Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen und -therapeuten von 815 Millionen Euro für 2017 geeinigt. Zusätzlich wurde die Vergütung des Medikationsplans festgelegt, der auf 163 Millionen Euro veranschlagt wurde. Insgesamt werden die Krankenkassen aufgrund der Beschlüsse 978 Millionen Euro zusätzlich ausgegeben.

Die Summe gliedert sich nach Angaben beider Verbände folgendermaßen auf: Der Orientierungswert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen steigt ab dem 1. Januar 2017 von derzeit 10,4361 Cent auf 10,53 Cent. Dieses Plus von 0,9 Prozentpunkten entspricht 315 Millionen Euro.

Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung steigt um 170 Millionen Euro. Diese Gelder müssen die Krankenkassen angesichts der demografischen Entwicklung und den immer älter werdenen Patienten mit höherem Behandlungsaufwand bereitstellen. Dabei einigte sich der Bewertungsausschuss auch darauf, dass in jeder KV-Region zwei regionale Veränderungsraten angewendet werden können: für Morbidität und für Demografie. Die Ausgestaltung dieser Faktoren soll in den anstehenden regionalen Verhandlungen stattfinden, heißt es.

Streit um Medikationsplan

Als dritter Baustein werden die extrabudgetäre Leitungen mit mehr Volumen ausgestattet. Dazu gehören Vorsorgeuntersuchungen, Impfen und ambulantes Operieren. „Ausgehend von dem Trend der vergangenen Jahre“ soll es hier ein Plus von 330 Millionen Euro geben, teilte die KBV mit.

Streitpunkt zwischen der KBV und dem GKV-Spitzenverband war die Vergütung bei der Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans. Versicherte haben ab dem 1. Oktober einen Anspruch darauf, einen Plan in Papierform zu bekommen, wenn sie mehr als drei Medikamente einnehmen. Eine zusätzliche Vergütung dafür lehnten die Krankenkassen zunächst ab, die KBV forderte dies allerdings vehement und bezifferte den Aufwand auf etwa 17 Euro pro Plan. Im Bewertungsausschuss haben sich KBV und Kassen darauf geeinigt, dass dafür 163 Millionen Euro veranschlagt werden. Dabei sind beide Seiten davon ausgegangen, dass solch ein Plan etwa für 20 Millionen Patienten erstellt werden muss. Somit ergibt sich eine Einzelleistungsvergütung von vier Euro pro neuem oder aktualisierten Plan für Patienten, die keine chronische Erkrankung haben, aber mehr als drei systemisch wirkende Medikamente dauerhaft einnehmen. Für Patienten, die von Allgemeinärzten oder Pädiatern versorgt werden, gibt es einen Zuschlag zur bereits bestehenden Chronikerpauschale von einem Euro. „Klargestellt wurde ferner, dass Hausärzte zum Ausstellen von Medikationsplänen verpflichtet sind, Vertragsärzte der fachärztlichen Versorgung nur dann, wenn der Versicherte keinen Hausarzt hat“, heißt es von der KBV. Die Fachärzte, die einen Plan ausstellen könne, erhalten als Einzelleistungsvergütung einen Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale. Wie hoch die Pauschale ausfällt, hängt von der Fachgruppe ab. So können beispielsweise Onkologen sowie Schmerztherapeuten ebenso eine extrabudgetäre Leistung von vier Euro abrechnen.

Nach der Einigung auf Bundesebene können nun die regionalen Verhandlungen in den 17 KV-Regionen starten.

Rebecca Beerheide

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