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Dtsch Arztebl 2016; 113(38): A-1627 / B-1373 / C-1349


Beerheide, Rebecca

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Medikationsplan höher vergüten

POLITIK


Bei der Vertreterversammlung hat die KBV-Spitze mehr Einfluss bei der Blankoverordnung und eine höhere Vergütung für den künftigen Medikationsplan gefordert. Außerdem sieht die KBV-Spitze die Vertragsärzteorganisation für die Digitalisierung gut gerüstet.

Die Spitze der KBV, Andreas Gassen und Regina Feldmann – hier auf Fotos vom Mai 2016 – werben bei Kassen und Gesetzgeber für höhere Honorare und mehr Mitsprache bei Blankoverordnungen. Fotos: Jürgen Gebhardt

Eine höhere Vergütung für den Medikationsplan, die Verlängerung der Imagekampagne sowie der Appell, als Vertragsärzte wieder geschlossen aufzutreten: In der fach-öffentlichen Sitzung der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) lobte KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen die Arbeit an dem von ihm ausgerufenen Konzept „KBV 2020“. Viele Vorschläge hätten bereits in die Debatte eingebracht werden können, erklärte Gassen laut Redemanuskript. Zentraler Gedanke sei die Versorgungssteuerung und die freiwillige Bindung eines Patienten an einen niedergelassenen Arzt – entweder einen Hausarzt oder in einigen Fällen auch einen Facharzt. Gassen sieht die von der KBV entwickelten Ideen zur Patientensteuerung auch von den Ergebnissen der aktuellen Versichertenbefragung bestätigt (DÄ 35/36).

Bei der Digitalisierung sieht Gassen ebenfalls eine „starke digitale Kompetenz“ der KBV. Das Sichere Netz der KVen „ist die erste große funktionierende und sichere Vernetzung im deutschen Gesundheitsbereich.“ Die KBV wolle das Netz ausbauen und erweitern. Auch solle das KV-System eine Gesundheits-App entwickeln, „wofür die KBV vom Gesetzgeber explizit beauftragt wird.“ Zusätzlich sollen gemeinsam mit den regionalen Formularlaboren Vorschläge für digitale Muster erarbeitet werden.

Appelle an Kassen

Gassens Appell an den GKV-Spitzenverband, bei den anstehenden Honorarverhandlungen über die Erhöhung des Orientierungspunktwerts sowie eine Steigerung der Honorare zu verhandeln, führte KBV-Vize Dipl.-Med. Regina Feldmann weiter aus: So forderte sie in ihrer Rede, dass der Medikationsplan künftig besser vergütet werden müsse. Die millionenfache Ausfertigung und Aktualisierung des Medikationsplanes bedeute einen hohen Aufwand. „Und für diesen Aufwand fordern wir eine angemessene Vergütung“, so Feldmann. Als KBV habe man vorgeschlagen, dass der Medikationsplan erst für Patienten ausgestellt werden solle, die fünf oder mehr Medikamente einnehmen. Der Gesetzgeber habe aber die Grenze bei mehr als drei Medikamenten gesetzt, so Feldmann. Die KBV hat inzwischen das Bundesschiedsamt angerufen und zur Änderung des Bundesmantelvertrages aufgerufen.

Deutliche Korrekturen forderte Feldmann auch bei der geplanten Blankoverordnung von Heilmitteln. Dabei soll es künftig möglich sein, dass Heilmittelerbringer – wie beispielsweise Physiotherapeuten – aufgrund einer ärztlichen Diagnose die Auswahl, Dauer und Frequenz der Therapie selbst bestimmen. „Die grundsätzliche Intention des Gesetzgebers befürworte ich durchaus, es kann zu einer sinnvollen Entlastung der Vertragsärzte beitragen“, so Feldmann. Allerdings: „Wir fordern, dass Vertragsärzte zwingend in die Modellvorhaben einbezogen werden.“ Da Ärzte weiterhin die Gesamtverantwortung für die Therapie tragen, müsse es möglich sein, Heilmittel auszuschließen, Therapiekontrollen durchzuführen sowie die Therapie auch
beenden zu können.

Für das Wahljahr 2017 appellierte Gassen an das KV-System, dass man nun „die Reihen geschlossen halten“ müsse und der Blick auf die Bundestagswahl und die anstehenden Koalitionsverhandlungen gerichtet sei. Um die Position der niedergelassenen Ärzte weiterhin auch per Plakatkampagne nach außen zu tragen, haben die Mitglieder der Vertreterversammlung eine Fortführung der Kampagne für das Jahr 2017 beschlossen. Schwerpunkt soll dabei auch die Werbung für die Notfallnummer 116 117 werden.

Rebecca Beerheide


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