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Politik – 26.06.2017

Krankenkassen erwirtschaften Plus von 612 Millionen Euro

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Berlin – Durch die anhaltend gute Konjunktur und die hohe Beschäftigung haben die Krankenkassen im ersten Quartal dieses Jahres ein Plus von rund 612 Millionen Euro erzielt. Das gab das Bundesgesundheitsministerium (BMG) heute offiziell bekannt. Damit stiegen deren Finanzreserven auf 16,7 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2016 hatten die Krankenkassen noch einen Überschuss von 406 Millionen Euro ausgewiesen.

Im Gesamtjahr 2016 gab es auf Basis der jetzt vorliegenden endgültigen Finanzer­gebnisse ein Plus von 1,62 Milliarden Euro. Die vorläufigen Rechnungsergebnisse hatten rund 240 Millionen Euro weniger ergeben. Im Gesundheitsfonds befanden sich Ende 2016 rund 9,1 Milliarden Euro.

Plus nur bei den AOKen

Die Einnahmen der Kassen im ersten Quartal zeigen auch, dass das Plus nicht bei allen Krankenkassenarten im gleichen Maße ankommt. Nur die Allgemeinen Ortskran­kenkassen (AOKen) konnten dem Ministeriumsbericht zufolge ihren Überschuss im ersten Quartal 2017 ausbauen – auf 361 Millionen Euro. Bei den Ersatzkassen, zu denen die drei großen Kassen TK, Barmer und DAK-Gesundheit gehören, sank er auf 155 Millionen Euro.

Die Betriebskrankenkassen hatten ein Plus von nur noch rund 27 Millionen Euro. Der Überschuss der Innungskrankenkassen wurde auf rund 17 Millionen quasi halbiert. Die Knappschaft-Bahn-See erreichte ein Plus von 58 Millionen. Die Landwirtschaftliche Krankenversicherung machte in den ersten drei Monaten ein Minus von 6 Millionen Euro.

Ärger über den RSA

Viele Kassen sehen in den Quartalszahlen eine weitere Bestätigung dafür, dass ihre Kritik am derzeitigen Finanzverteilsystem unter den Kassen über den Risikostruktur­ausgleich berechtigt ist. Die Zuteilungen erfolgen vor allem nach Krankheitsschwere und -häufigkeit der Versicherten. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die AOKen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will bis Herbst einen Reformbedarf prüfen.

Ungeachtet dieser Diskussion dürften Gröhe die Überschusssteigerungen der Krankenkassen entgegenkommen. Befürchtete Beitragsanhebungen im Wahljahr dürften weitgehend vom Tisch sein. Fachleute gehen davon aus, dass die gute Finanzlage der Sozialkassen auch noch in der nächsten Legislaturperiode anhalten wird. Doch dann werde sie wegen der älter werdenden Bevölkerung und der damit einhergehenden sinkenden Zahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter wieder schlechter.

Schaut man auf die einzelnen Leistungsbereiche stechen die Ausgabenanstiege bei der Prävention hervor. Die Krankenkassen verzeichneten im ersten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von rund 16 Prozent, „nachdem in diesem Bereich bereits 2016 ein Zuwachs von rund 46 Prozent erzielt wurde“.

Die Leistungen für die Versorgung Sterbenskranker steigen ebenfalls erneut deutlich an: Die Ausgaben für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung um rund 36 Prozent und die Zuschüsse der Krankenkassen für ambulante und stationäre Hospize um rund 20 Prozent. Gröhe sieht darin eine Bestätigung für seine Gesetzesinitiativen.

Weitere Kennzahlen: Die Arzneimittelausgaben erhöhten sich um 3,8 Prozent, in der vertragsärztlichen Vergütung sind es rund 5 Prozent und in der Krankenhausbe­handlung 3,3 Prozent. Alles in allem erhöhte sich der Ausgabenzuwachs im ersten Quartal bei den Krankenkassen um 3,9 Prozent (1. Quartal 2016: 4,0 Prozent).

© dpa/EB/aerzteblatt.de

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