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Politik – 24.03.2017

Pflegetag: „Wir haben lange genug die Wange hingehalten“

Berlin – Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, hat heute die Pflegenden dazu aufgerufen, bei der Bundestagswahl den Parteien ihre Stimme zu ge­ben, die sich für die Pflege einsetzen. „Kein Politiker, der jetzt der Pflege eine eigene Stim­me verweigert, kann damit rechnen, von den Pflegenden eine Stimme zu bekom­men“, sagte er auf dem 4. Deutschen Pflegetag in Berlin.

Damit spielte er auf die Debatte um das Pflegeberufsgesetz an, mit dem in Deutschland die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung zu­sammengeführt werden soll. Nachdem das Bundeskabinett dem Gesetz bereits zuge­stimmt hatte, war zuletzt zwischen Union und SPD ein Streit um dessen Inhalte entbrannt. Bis heute ist unklar, ob es in dieser Legislaturperiode noch verabschiedet werden wird.

Pflegeberufsgesetz: „Es gibt Grenzen eines sinnvollen Kompromisses“

„In den nächsten Tagen wird entschieden, ob die Pflegenden wirklich ernstgenommen wer­den“, meinte Westerfellhaus. „Scheitert die Generalistik, scheitert die geplante Auf­wer­tung der Pflegeberufe. Das wäre ein Schlag ins Gesicht der Pflegenden.“ Er kriti­sier­te, dass „mächtige Lobbygruppen“ ihren Einfluss geltend gemacht hätten, „um die Be­rufs­gruppe klein zu halten“. Die Pflegenden wollten aber nicht länger die Wange hinhal­ten. „Das haben wir lange genug getan“, sagte Westerfellhaus. „Wir wollen nicht länger fremdbestimmt sein.“

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, erklärte, er werde alles dafür tun, dass es bei dem Pflegeberufsgesetz in den nächsten Tagen noch eine Einigung geben werde. „Ich sage aber auch: Es gibt Grenzen eines sinnvollen Kompro­misses“, so Laumann. „Es macht alles nur Sinn, wenn wir am Ende eine einheitliche Be­rufsbezeichnung haben.“ 

Laumann: „Die Einrichtung von Pflegekammern ist nicht mehr zu stoppen“

„Das Thema Pflege ist in Deutschland nie so intensiv diskutiert worden, wie in den letzten Jahren“, fuhr er fort. „Und das ist auch gut so. Denn die Pflege ist ein ganz wichtiger Teil der gesundheitlichen Versorgung einer Gesellschaft. Und es kann einer Gesellschaft nicht egal sein, wie es um die Pflege steht und welchen Stellenwert sie in einem System hat.“

Laumann meinte, dass die Pflege überall dort, wo an zentraler Stelle im deutschen Ge­sundheitswesen über sie entschieden werde, nicht mit am Tisch sitze. „Wenn man das än­dern will, kann man das nur institutionell ändern“, meinte er. „Dann braucht man eine Institution, die auch legitimiert ist, die Berufsgruppe zu vertreten.“ Er zeigte sich optimis­tisch, dass die Pflege in der politischen Auseinandersetzung künftig einen größe­ren Stellenwert haben werde als in der Vergangenheit. „Ich glaube, die Einrichtung von Pfle­gekammern ist nicht mehr zu stoppen“, so Laumann.


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