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Medizin – 28.04.2017

Länger krank durch Stress?

Köln – Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit (AU) wird durch mehr als nur die Primärdia­gnose bestimmt. Häufig berichten die Patienten zusätzlich von seelischen Beschwerden und dem Gefühl des Ausgebranntseins. Antonius Schneider und Koautoren analysier­ten, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen psychischen Symptomen und der Länge der Arbeitsunfähigkeit gibt, auch wenn die Patienten wegen rein körperlicher Beschwerden, zum Beispiel Rückenschmerz, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhielten (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 291–7).

Untersucht wurden die Daten von 225 Patienten in 14 Hausarztpraxen, für die eine AU-Bescheinigung ausgestellt wurde. Die Diagnosen für die Arbeitsunfähigkeitsdauer vari­ierten. Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates waren am häufigsten. Die längste durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit hatten Patienten mit den Diagnosen Hauterkrankungen und psychische Erkrankungen. Alle Studienteilnehmer füllten einen Fragebogen aus, der den „Maslach Burnout Interventory“-„General Survey“ und den „Patient Health Questionaire“ mit den Skalen Depression, Somatisierung und Angststörung beinhaltete. Ebenfalls wurden die Charakteristika der Patienten wie Geschlecht, Alter, Beziehungsstatus und Schulbildung erfasst.

Betrachtete man die gesamte Studiengruppe, so zeigte sich, dass bei einer geringeren Schulbildung des Patienten (weniger als zehn Jahre) die Krankschreibung mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit assoziiert war, unabhängig von der Primärdiagnose. Eben­falls bestand ein Zusammenhang zwischen der Dauer der Arbeitsunfähigkeit und emo­tio­naler Erschöpfung, Depersonalisation, Depression, Angst und Somatisierung. Schloss man die Studienteilnehmer aus, deren AU aufgrund von psychischen und psy­chiatrischen Diagnosen bestand, korrelierte die Arbeitsunfähigkeitsdauer mit emotio­naler Erschöpfung, Somatisierung und beinahe signifikant mit Depression. Das Geschlecht und der Beziehungsstatus waren nicht relevant.

In einer weiterführenden Analyse war sowohl das Alter als auch die Schulbildung asso­ziiert mit der Krankheitsdauer. Jede Zunahme des Alters um ein Jahr führte zu einem Anstieg der AU-Dauer um 1,7 %. Bei einer höheren Schulbildung hingegen verminderte sich die Arbeitsunfähigkeitsdauer um 40 %. In Bezug auf die psychische Belastung zeigte sich vor allem ein Zusammenhang von Angstsymptomen mit der Dauer der Arbeitsunfähigkeit.

Die Autoren folgern, dass ein ganzheitlicher Zugang bei der patientenzentrierten Kommunikation wie er bei Depression und Angststörungen angewandt wird, auch bei ungeklärten psychischen oder körperlichen Symptomen während der hausärztlichen Konsultation hilfreich sein kann.

© et/aerzteblatt.de

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