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Medizin – 21.05.2017

Seltene Blutgruppe in Ostafrika schützt vor Malaria

Oxford - Träger der in Ostafrika auftretenden Blutgruppe Dantu erkranken zu 40 Prozent seltener an einer schweren Malaria tropica. Eine Studie in Science (2017: doi: 10.1126/science.aam6393) zeigt, dass der Blutgruppeneigenschaft eine Veränderung in dem Protein Glykophorin zugrunde liegt, die vom Malaria-Erreger Plasmodium falciparum als Anker für den Eintritt in die Erythrozyten dient. 

Ursache der Malaria und seiner Komplikationen ist die wiederkehrende Vermehrung von Plasmodium falciparum in den roten Blutkörperchen. Um in die Zelle zu gelangen, muss der Parasit zunächst an den Erythrozyten andocken. Dies geschieht über die Proteine Glykophorin A und B. Diese Proteine sind auf der Oberfläche der Erythrozyten reichlich vorhanden. Sie verleihen den Erythrozyten eine wasserlösliche Hülle, die ein Anheften an anderen Zellen oder dem Endothel verhindert und den Zellen deshalb den Durchtritt durch enge Kapillaren erleichtert. 

Im letzten Jahr hat das Malaria Genomic Epidemiology Network, das sich mit dem Einfluss der Gene auf das Infektionsrisiko beschäftigt, in der Bevölkerung von Kenia eine Genvariante entdeckt, die die Träger vor einer schweren Malaria-Infektion schützt. Inzwischen hat das Team um Ellen Leffler von der Universität Oxford die Hintergründe erforscht. Danach führt die Genvariante DUP4 zu komplexen Veränderungen in den beiden Glykophorinen, was vermutlich zur Folge haben, dass die Parasiten nicht mehr in die Blutzelle eindringen können. Träger der Genvariante hatten ein um 40 Prozent niedrigeres Risiko, an einer schweren Malaria zu erkranken. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Genvariante DUP4 zur Blutgruppeneigenschaft Dantu führt, die in Ostafrika auftritt.

Interessanterweise wurde die Genvariante DUP4 bisher nur in Ostafrika gefunden. In 5.791 Blutproben aus Gambia konnten die Forscher die Genvariante in keinem einzigen Fall identifizieren, obwohl die Malaria tropica auch dort endemisch ist. Leffler vermutet deshalb, dass die Genvariante, die dem Träger einen Selektionsvorteil in der Evolution verschafft, noch relativ neu ist.

Dass Genvarianten vor einer Malaria schützen, ist nicht neu. Schon vor 64 Jahren erkannte der britische Genetiker Anthony Allison, dass Menschen mit einer Sichelzellanämie seltener schwer an einer Malaria erkranken. Diese Mutation, die Kinder vor einem tödlichen Verlauf der Erkrankung schützt, muss bereits frühzeitig in der Evolution aufgetreten sein. Im Ausbreitungsgebiet der Malaria in Afrika sind 10 bis 40 Prozent der Bevölkerung Träger der Mutation.

© rme/aerzteblatt.de

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