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Medizin – 28.04.2017

Autismus: Rauchende Großmütter erhöhen das Risiko für ihre Enkel

Autismus vererbt sich sowohl über DNA-Mutationen im Zellkern als auch über mitochondriale DNA-Mutationen. / iQoncept, stock.adobe.com

Bristol – Tabakrauchen während der Schwangerschaft zeigt seine Auswirkungen auch noch zwei Generationen später. Wenn die Großmutter mütterlicherseits schwanger rauchte, besteht ein Risiko von 67 Prozent, dass Enkelinnen typisch autistische Merk­male entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in Scientific Reports publiziert wurde (2017; doi: 10.1038/srep46179).

Forscher um Jean Golding von der University of Bristol hatten 14.500 Kinder der 1990er-Jahre untersucht. Bei fast 70 Prozent der Mädchen mit rauchenden Groß­müttern zeigten sich die autistischen Züge beispielsweise durch eine eingeschränkte soziale Kommunikation oder repetitive Verhaltensweisen. Mehr als die Hälfte der Enkelkinder wurden mit einem Asperger-Syndrom (Autismus-Spektrum-Störung, ASD) diagnostiziert, was etwa 170 Betroffenen der Kohorte enspricht. Ob die Großmutter väterlicherseits während der Schwangerschaft geraucht hat, spielte hingegen für die Enkelkinder keine Rolle.

Somit liegt der Schluss nahe, dass sich bereits die Eizellen der Mutter während der fetalen Entwicklung im Bauch der rauchenden Großmutter entsprechend verändern. „Wer auf das Rauchen in der Schwangerschaft verzichtet, schützt somit auch seine zukünftigen Enkelkinder“, erklärt Golding. Warum das Risiko für Autismus nur über die Mutter der Mutter und nicht des Vaters übertragen wird, kann die Studie nicht beant­worten.

Bekannt ist jedoch, dass Tabakrauchen zu Mutationen in der DNA in den Mitochondrien führen kann. Diese Zellorganellen werden bei der Befruchtung ausschließlich von der Mutter übernommen. „Meistens haben Mutationen in der mitochondrialen DNA in der ersten Generation keinen Effekt“, erklärt Marcus Pembrey, Koautor der Studie. Die Auswirkung dieser Mutationen könne aber zur Geltung kommen, wenn die Mitochon­drien auf die nächste Generation übertragen werden.

Die Studiengruppe hat gerade damit begonnen, auch die dritte Generation zu unter­suchen. Sie wollen in einem nächsten Schritt herausfinden, ob auch Urenkel noch Nachteile von rauchenden Urgroßmüttern zu befürchten haben.

© gie/aerzteblatt.de

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