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Medizin – 22.06.2017

DNA des Feten beeinflusst Präeklampsie-Risiko

Nottingham – Zwei Genvarianten im Erbgut des Feten waren in einer genomweiten Assoziationsstudie mit einem erhöhten Risiko einer Präeklampsie assoziiert, die bei der Mutter zu Hypertonie und Proteinurie führt. Die Varianten befinden sich laut dem Bericht in Nature Genetics (2017; doi: 10.1038/ng.3895) in der Nähe des Gens FLT1. Es kodiert ein Protein, das als Biomarker für das Präeklampsie-Screening genutzt wird.

Die Präeklampsie, die bei etwa 5 Prozent aller Schwangerschaften auftritt, hat eine starke erbliche Komponente. Eine Heritabilität betrifft nicht nur die Mutter, sondern auch den Vater, von dem der Fetus die Hälfte seiner Gene erhält. Ein Einfluss des Vaters ist plausibel, da der Ursprung der Erkrankung in der Plazenta vermutet wird, die zum überwiegenden Teil vom Embryo gebildet wird. 

Die InterPregGen-Studie, die die genetischen Ursachen der Erkrankung erforscht, hat ihre genomweite Assoziationsstudie (GWAS) folglich nicht an den Genen der erkrankten Mutter, sondern an den Genen des Feten durchgeführt. Und im Gegensatz zu früheren GWAS hat das Team um Linda Morgan von der Universität Nottingham eine Genvariante entdeckt, die das Risiko auf eine Präeklampsie um 21 Prozent erhöht. 

Die Forscher hatten zunächst die Gene von 4.380 Säuglingen aus Großbritannien und Island, deren Mütter in der Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickelt hatten, an 7,5 Millionen Stellen mit dem Erbgut von über 300.000 gesunden Kontrollen verglichen. Die Ergebnisse wurden später an zwei Kohorten aus Norwegen und Finnland überprüft.

Die Genvariante „rs476963“ befindet sich auf dem Chromosom 13 in der Nähe des FLT1-Gens. Sie enthält die genetische Information für die „Fms Related Tyrosine Kinase 1“ (Flt-1), die in der Plazenta die Entwicklung von Blutgefäßen fördert. Die lösliche Form sFlt-1 tritt auch ins Blut der Mutter über. Der Quotient sFLT-1/PlGF wird als Screening-Test zur Früherkennung der Präeklampsie eingesetzt. Die Forscher entdeckten noch eine zweite Genvariante rs2050029, die sich ebenfalls in der Nähe des FLT1-Gens befindet.

Der Nachweis von zwei Genvarianten in der Nähe des FLT1-Gens, das ein Protein kodiert, das unmittelbar in die Pathogenese der Erkrankung eingreift, macht das Ergebnis der GWAS biologisch plausibel. Nach den derzeitigen Konzepten ist die vermehrte Freisetzung von sFlt-1 für die Schäden an den Blutgefäßen und Nieren verantwortlich, die zu Hypertonie und Proteinurie führen.

© rme/aerzteblatt.de

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