1/30

Medizin – 22.06.2017

BRCA1/2: Neue Schätzungen zum Lebenszeitrisiko auf Mamma- und Ovarialkarzinom

fotoliaxrender - stock.adobe.com

Cambridge – Trägerinnen der „Brustkrebsgene“ BRCA1/2 haben ein hohes Lebens­zeitrisiko auf ein Mamma- und Ovarialkarzinom, das jetzt erstmals auf der Basis von prospektiven Kohortenstudien berechnet wurde. Bei BRCA1-Trägerinnen wird der Erkrankungsgipfel laut dem Bericht im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2017; 317: 2402-2416) zehn Jahre früher als bei BRCA2-Trägerinnen erreicht, was das erhöhte Lebenszeitrisiko erklärt, das neben von der positiven Familienanamnese, aber auch von der Lage der Mutationen auf den Genen beeinflusst wird.

Die bisherigen Schätzungen zum Krebsrisiko von Frauen mit Mutationen in den Genen BRCA1 oder BRCA2, die die körpereigene DNA-Reparatur beschädigen, beruhten auf retrospektiven Studien, deren Ergebnisse oft fehlerhaft sind. Wenigstens drei Gruppen haben jedoch damit begonnen, Genträgerinnen prospektiv zu begleiten.

Dies sind die International BRCA1/2 Carrier Cohort Study (IBCCS), das Breast Cancer Family Registry (BCFR) und das Kathleen Cuningham Foundation Consortium for Research Into Familial Breast Cancer (kConFab). Die drei Kohorten umfassen 6.036 Trägerinnen von BRCA1-Mutionen und 3.820 Trägerinnen von BRCA2-Mutationen von denen 4.810 an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, die anderen 5.046 jedoch nicht. Die mittlere Nachbeobachtungszeit der Frauen beträgt mittlerweile fünf Jahre, und die Berechnung einer Arbeitsgruppe um Antonis Antoniou, University of Cambridge ergeben folgendes Bild:

Frauen mit BRCA1-Mutationen erkranken zu 72 Prozent bis zum Alter von 80 Jahren an Brustkrebs. Bei Frauen mit BRCA2-Mutationen liegt die Rate bei 69 Prozent. Das höhere Lebenszeitrisiko der Frauen beruht darauf, dass die Mutationen im BRCA1-Gen um etwa zehn Jahre früher zum Krebs führen. Die Inzidenz steigt bis zum Alter von 30 bis 40 Jahren an und verharrt dann auf dem hohen Niveau von 20 bis 30 Neuerkrankungen auf 1.000 Personen pro Jahr.

Bei Frauen mit BRCA2-Mutationen wird der Gipfel im Alter von 40 bis 50 Jahren erreicht. Danach kommt es wie bei Frauen mit BRCA1-Mutationen zu 20 bis 30 Neuerkrankungen auf 1.000 Personen pro Jahr.

Das Risiko auf ein Ovarialkarzinom ist mit 44 Prozent für BRCA1 und 17 Prozent für BRCA2 etwas niedriger als beim Brustkrebs.

Frauen mit BRCA1-Mutationen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, haben ein Risiko von 40 Prozent, in den nächsten 20 Jahren auch in der anderen Brust an Krebs zu erkranken. Für Frauen mit BRCA2-Mutationen beträgt dieses kumulative Risiko auf einen kontralateralen Brustkrebs 26 Prozent.

Nicht alle Mutationen in den BRCA1/2-Genen schädigen die DNA-Reparatur in gleicher Weise. Die Familienanamnese liefert deshalb weiterhin wichtige Hinweise. Wenn bereits zwei Verwandte ersten und zweiten Grades an Brustkrebs erkrankt sind, ist das Risiko für Frauen mit BRCA1/2-Mutationen in etwa doppelt so hoch wie bei Frauen ohne weitere Erkrankungen in der engeren Familie. 

Auch der Ort der Mutation ist von Bedeutung. Frauen mit BRCA1-Mutationen erkranken zu 46 Prozent häufiger, wenn die Mutation außerhalb des Bereichs c.2282 bis c.4071 liegt. Bei Frauen mit BRCA2-Mutationen ist das Risiko um 93 Prozent erhöht, wenn die Mutation außerhalb von c.2831 bis c.6401 liegt. 

Für das Ovarialkarzinom wurden ähnliche Tendenzen für die Familienanamnese und den Ort der Mutation gefunden. Die Assoziationen waren jedoch aufgrund der niedrigen Fallzahlen nicht signifikant, so dass hier noch keine abschließende Bewertung möglich ist.

© rme/aerzteblatt.de

Bookmark-Service:
1/30
Medizin
Politik
Ärzteschaft
Ausland
Vermischtes
Hochschulen