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Medizinische Versorgungszentren in ärztlicher Trägerschaft meist erfolgreicher

Mittwoch, 16. Mai 2018
/dpa

Berlin – 32 Prozent der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) haben im Jahr 2016 finanzielle Verluste erwirtschaftet. Unter den von vertragsärztlich betriebenen MVZ machten nur sechs Prozent Verluste. Das geht aus einer neuen Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor.

Hinter den nichtvertragsärztlichen MVZ stehen Träger wie etwa ein Krankenhaus oder eine Kommune. Bei diesen MVZ machten sogar 42 Prozent Verluste. Neben der Trägerschaft spielt auch der Standort eine Rolle. Überwiegend gut lief es für MVZ, die ihren Standort in einer städtischen Region haben: 74 Prozent dieser MVZ erzielten einen Gewinn.

376 MVZ ausgewertet

Das Institut hat für die Studie die Angaben von bundesweit 376 MVZ ausgewertet, die im Zeitraum von Juni bis Dezember 2017 an einer Onlinebefragung teilgenommen haben. Die Untersuchung erfolgte in Kooperation mit der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV) und dem Bundesverband MVZ.

Hintergrund ist, dass der Zi-Vorstand im Jahr 2016 regelmäßige Befragungen von MVZ beschlossen hat. Ziel ist, aussagekräftige Informationen zur Wirtschaftslage dieser immer wichtiger werdenden ambulanten Versorgungseinrichtungen zu erhalten. Ähnlich dem ZiPP für Praxen will das Zi Kosten- und Versorgungsstrukturen bei den MVZ im Zeitablauf untersuchen.

Der Bundesverband MVZ wies nach der Auswertung der Umfrage darauf hin, dass auch die Krankenhaus-MVZ mit aktuell negativer Bilanz oft einen relevanten Versorgungs­beitrag für ihre Region leisten. „Es wäre hier grundfalsch und sehr polemisch, von der betriebswirtschaftlichen Perspektive, wie sie die Zi-Ergebnisse summarisch wieder­geben, Rückschlüsse etwa auf eine eingeschränkte Versorgungsrelevanz zu ziehen“, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes, Susanne Müller, dem Deutschen Ärzteblatt

Die an der Umfrage teilnehmenden MVZ befanden sich mit 44 Prozent vor allem in der Trägerschaft von Krankenhäusern. Der Anteil der von Vertragsärzten geführten MVZ lag bei 28 Prozent. Trägerkombinationen, wie Krankenhaus und Vertragsärzte, waren mit 22 Prozent vertreten. Rund drei Prozent wurden von einer Kommune getragen und vier Prozent der MVZ machten keine Angaben zur Trägerschaft.

Viele Hausarzt-MVZ

MVZ bieten laut der Befragung überwiegend fachübergreifende Versorgungsangebote. Im Schnitt wiesen die MVZ 3,6 verschiedene Fachrichtungen beziehungsweise Fach­abteilungen auf. Bei den von Vertragsärzten geführten MVZ standen die hausärztlich tätigen Abteilungen mit 46 Prozent auf Platz eins der häufigsten Abteilungen. Auch bei den nichtvertragsärztlich geführten MVZ waren die hausärztlichen Abteilungen mit 41 Prozent am stärksten vertreten.

In vertragsärztlichen MVZ stehen zudem die Psychotherapie (16 Prozent), die Chirurgie (15 Prozent) und die Anästhesie sowie die Orthopädie (je 13 Prozent) im Portfolio. In den nichtvertragsärztlichen MVZ ist die Gynäkologie (32 Prozent) deutlich häufiger zu finden, gefolgt von der Chirurgie (31 Prozent) und der Orthopädie (25 Prozent).

„Die Unterschiede lassen vermuten, dass die Fachabteilungsstruktur in den nicht­vertrags­ärztlichen MVZ möglicherweise auf die zugehörige Klinik ausgerichtet ist. Hierfür nehmen die Krankenhausträger offenbar auch Verluste der von ihnen gegründeten ambulanten Einrichtungen in Kauf“, sagte der Zi-Geschäftsführer Dominik von Stillfried. 

In Deutschland gab es Ende 2016 2.490 MVZ. Darin arbeiteten über 16.000 Ärzte – das ist jeder zehnte Mediziner in der ambulanten Versorgung. 91 Prozent von ihnen waren im MVZ angestellt, neun Prozent waren als Vertragsärzte tätig. Das geht aus der MVZ-Statistik für das Jahr 2016 hervor, das die Kassenärztliche Bundesvereinigung im September 2017 herausgegeben hat.

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