aerzteblatt.de

Leitlinie soll Schmerzerfassung von Altenheim-Bewohnern verbessern

Mittwoch, 16. Mai 2018
/dpa

Berlin – Schmerz stellt ein häufiges Problem in der älteren Bevölkerung dar. Sein Anteil werde bei in Einrichtungen der stationären Altenhilfe wohnenden Personen international mit bis zu 80 Prozent angegeben. Darauf haben die Autoren einer neuen S3-Leitlinie „Schmerz-Assessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ hingewiesen. Die Leitlinie soll dazu beitragen, dass Pflegekräfte und Ärzte Schmerzen bei Heimbewohnern besser erkennen, einschätzen und schließlich auch behandeln können.

„Ältere Menschen äußern ihren Schmerz viel seltener als jüngere, weil sie häufig glauben, dass er zum Alter dazugehört“, erläuterte Matthias Schuler, Mitglied des gemeinsamen Arbeitskreises „Schmerz und Alter“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Schmerzgesellschaft sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Palliativmedizin am Diakonissenkrankenhaus Mannheim.

Die Leitlinie sei eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung für Mitarbeiter in Altenheimen. „So etwas gab es bislang im deutschsprachigen Raum nicht. Darin geben wir den Nutzern ungefähr 50 Hinweise, zum Beispiel für ein einfaches Screening auf Schmerzen, für ein differenziertes Assessment und auch für die Verlaufskontrolle“, so Schuler.

Denn häufig sei es schwierig, etwas über den Schmerz eines Bewohners zu erfahren, zum Beispiel wenn er kognitive Einschränkungen habe und Fragen nicht mehr verlässlich beantworten könne. „Deshalb haben wir unter anderem die vorhandenen Instrumente zur Schmerzerfassung auch in Abhängigkeit der kognitiven Fähigkeiten bewertet“, erläuterte der Schmerzexperte. 

Die Leitlinienautoren machen auch Vorschläge, wie Mitarbeiter von Altenhilfe-Einrichtungen die Empfehlungen der Leitlinie in ihren Arbeitsalltag integrieren können. „Oft nehmen Pflegekräfte wichtige Hinweise für Schmerzen schon bei ihrer täglichen Arbeit wahr. Der einzige zusätzliche Schritt wäre meist nur die Dokumentation, zum Beispiel in der Patientendokumentation, damit diese Information auch für Ärzte und andere zur Verfügung steht“, so Schuler.

Er betonte, es gebe deutlich zu wenige Studien, um wirklich evidenzbasierte Empfehlungen zu geben. „Nur in Einzelfällen konnten wir darauf zurückgreifen. Die meisten Empfehlungen basieren auf den Erfahrungen der Leitliniengruppe“, bedauerte er. Schuler kündigte an, die DGG-Arbeitsgruppe wolle nun in einzelnen Pflegeheimen evaluieren, wie die Empfehlungen in der Praxis umgesetzt werden. „Wir schauen, wo es Umsetzungsschwierigkeiten gibt. Danach wollen wir die Leitlinie weiter verbessern“, sagte er.

© hil/aerzteblatt.de