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Hilfsgüter erreichen Gaza

Mittwoch, 16. Mai 2018
Auseinandersetzungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten am 15. Mai 2018 nahe der israelischen Grenze in Khan Yunis, Gaza. /dpa

Tel Aviv – Nach den blutigen Protesten an der Gazagrenze mit 60 Toten haben Lastwagen mit medizinischen Hilfsmitteln die Grenze zum Gazastreifen passiert. Die acht Lastwagen kamen von der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Hilfs­organisation Unicef und der israelischen Armee, wie die zuständige israelische Behörde Cogat heute mitteilte. In den Paketen seien unter anderem Bandagen, Desinfektions­mittel und Material zur Versorgung von Kindern gewesen.

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas wies zwei Lastwagen der Armee in der Nacht allerdings zurück. Diese Lastwagen seien zurückgeschickt worden, teilte Cogat auf Twitter mit. Die Hamas bestätigte den Vorgang. „Wir haben diese Hilfe zurückgewiesen, weil Israel den Grenzübergang für so viele Tage für alle möglichen Produkte geschlossen hat und ihn nun nur für ihre eigene medizinische Hilfe wieder geöffnet hat“, sagte Hamas-Aktivist Wael Abu Omer.

Tote und Verletzte

Die EU, die USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. Die Palästinensische Autonomie­behörde hat nach eigenen Angaben ein Ärzteteam geschickt. Dieses habe allerdings gestern noch auf eine Lieferung von medizinischen Hilfsmitteln gewartet.

Bei blutigen Protesten waren vorgestern im Gazastreifen 60 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Rund 2.800 wurden an der Grenze zu Israel verletzt, wie das palästinensische Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Gaza mitteilte. Zwei weitere Palästinenser wurden gestern getötet.

Nach Angaben der Kinderschutzorganisation Save the Children sind bei den Zusammenstößen von Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Rande des Gazastreifens mindestens 150 Kinder angeschossen worden. Allein vorgestern seien sechs Kinder getötet worden, teilte Save the Children gestern in London mit. Seit Beginn der Proteste am 30. März seien 14 Kinder sogar gestorben.

„Das Töten von Kindern kann nicht gerechtfertigt werden“, sagte die für die palästinensischen Autonomiegebiete Save-the-Children-Funktionärin Jennifer Moorehead. „Wir rufen alle Parteien dringend auf, aktive Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Kinder nicht verletzt werden und Kinder im Einklang mit der Genfer Konvention und der Menschenrechte schützen“, erklärte Moorehead.

Die Krankenhäuser im Gazastreifen seien bereits vor den jüngsten Auseinander­setzungen zu 90 Prozent ausgelastet werden. Verwundete müssten auf Fluren behandelt werden. Vielen Einwohnern sei die notwendige Hilfe überhaupt nicht zugänglich.

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