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Politik – 21.04.2017

Hochschulmedizin engagiert sich für vernetzte und forschungskompatible Patientenakte

Berlin – Die Hochschulmedizin will eine vernetzte und forschungskompatible elektroni­sche Patientenakte entwickeln, die allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten eines Pa­tienten die notwendigen Informationen liefert und gleichzeitig das neueste Forschungs­wissen zur Verfügung stellt. „Mit der Entwicklung einer vernetzen und forschungskompa­tib­len Patientenakte unter Federführung der Universitätsmedizin könnte für die For­schung und Versorgung im deutschen Gesundheitssektor ein neues Zeitalter anbre­chen“, sagte Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD), heute bei der Vorstellung des Papiers zur Vernetzungsinitia­tive in Berlin.

Das Papier mit dem Titel „Bessere Gesundheitsversorgung durch eine vernetzte und for­schungskompatible Patientenakte“ beschreibt konkret vier Wege, wie die forschungs­kom­p­atible Patientenakte einen Mehrwert für den Patienten schaffen könnte. Dazu ge­hört die Bündelung der klinischen Daten aus unterschiedlichen Gesundheitseinrich­tun­gen, die Nutzung der Daten für die Forschung und das schnelle Zur-Verfügung-stellen dieser Erkenntnisse im Versorgungsalltag der Patienten.

„Durch den Ausbau der digitalen Dateninfrastruktur würde Deutschland schnelle Fort­schritte in der medizinischen Forschung machen, beispielsweise, um die Herausforde­run­gen einer immer älter werdenden Gesellschaft anzugehen“, betonte Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). Bei dem Projekt stünde zudem der Schutz der Patientenrechte und der Patientendaten an oberster Stelle.

Die Universitätsmedizin plant keinen Alleingang: Im Rahmen der Medizininformatik­initia­ti­ve des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) werden seit einem Jahr bereits die Grundlagen für diese forschungskompatible vernetze Patientenakte ge­schaf­fen. „Unser Papier ist keine Absichtserklärung. Es ist schon viel passiert“, betonte Al­brecht. Die beteiligten Konsortien entwickelten derzeit konkrete praxisnahe Modelle, die zunächst in der Universitätsmedizin und schließlich flächendeckend zusammen mit nicht universitären Kliniken und niedergelassenen Ärzten umgesetzt werden sollen.

Im Rahmen der Medizininformatikinitiative des BMBF seien bereits gemeinsame Stan­dards für die Patienteneinwilligung zur Nutzung von Patientendaten aus der Versorgung für die Forschung („Consent-Modell“) sowie bundeslandübergreifende Lösungen für Da­tensicherheit und Datenschutz entwickelt worden. Nun arbeite man an der Entwick­­lung von Standards und Methoden für die Integration von Forschungsdaten sowie der Ein­richtung von unabhängigen, standortübergreifend kooperierenden Vertrauens- und Treu­handstellen und eines einheitlichen Regelwerks sowie von sicheren Methoden für die gemeinsame Nutzung von Daten.  

Die Universitätsmedizin strebt dabei die inhaltliche Synchronisation der geplanten Arbei­ten mit der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gema­tik) an. Dazu soll ein enger Austausch zwischen der Universitätsmedizin, den beteiligten Kon­sortien, BMG, BMBF und gematik etabliert werden. Ferner will die Universitäts­medi­zin ein­­schlägige Berufsbilder fördern, besonders in der Medizininformatik, in Medical Data Science sowie der Bioinformatik.

© ER/aerzteblatt.de

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