Vermischtes – 21.04.2017

DocMorris muss Automatenapotheke in Baden-Württemberg schließen

Eingang zur von DocMorris betriebenen Automatenapotheke in Hüffenhardt (Baden-Württemberg). /dpa

Hüffenhardt – Der Versandhändler DocMorris muss seine umstrittene Automatenapo­the­ke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen. Der Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel sei strengen Anforderungen des Gesetzgebers unter­worfen, begründete das Regierungspräsidium Karlsruhe die Entscheidung. „Die Abgabe in Hüffenhardt erfolgt nicht in einer Apotheke und ist auch nicht von der Versandhan­dels­­erlaubnis des in den Niederlanden ansässigen Unternehmens umfasst.“

DocMorris hatte die lang geplante Abgabestelle von Arzneimitteln in Hüffenhardt in Ba­den-Württemberg erst am Mittwochnachmittag eröffnet. Die Apotheke in dem 2.000-See­len-Dorf war 2015 geschlossen worden, weil sich kein Nachfolger fand.

Beim Regierungspräsidium hatte der Versandhändler nur ein Arzneimittellager ange­zeigt. Online bestellte Arzneimittel hätten in die von DocMorris gemieteten Räume gelie­fert wer­den sollen. Die Beratung sollte per Videochat erfolgen. Mehr als 8.000 Arznei­mittel wur­den vor Ort in einem Lagerautomaten, wie er auch in Apotheken zu finden ist, deponiert. DocMorris-Personal in den Niederlanden sollte per Knopfdruck das Medika­ment freige­ben, das dann in Hüffenhardt aus dem Automaten gefallen wäre. Vor Ort stand den Kun­den allerdings kein Apotheker, sondern nur ein Mitarbeiter zur Verfügung.

DocMorris darf wegen des Fremdbesitzverbots als Unternehmen keine Apotheken in Deut­schland betreiben. Nur Pharmazeuten mit Kammerzulassung dürfen Apotheken und bis zu drei Filialen unterhalten. 2007 hatte DocMorris seine erste deutsche Filiale in Saar­brücken eröffnet. Zwei Jahre und ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) später wurde die Filiale zunächst geschlossen. Nur die angestellte Apothekerin durfte das Geschäft als Markenapotheke wieder eröffnen.

Doch auch das Abgabeterminal ging dem Regierungspräsidium nun zu weit: Die Auto­ma­­ten­­abgabe verwische in unzulässiger Weise die Grenze zwischen dem Versand­han­del und der Abgabe von Arzneimitteln in einer Präsenzapotheke, hieß es. Letztere unterliege – sowohl was Räumlichkeiten, als auch was Ausstattung und Fachpersonal angehe – hohen gesetzlichen Anforderungen, die durch das Abgabeterminal umgangen würden. Bei der Prüfung von Rezepten für verschreibungspflichtige Arzneimittel am Terminal bei­spielsweise werde gegen Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung verstoßen.

Die Landesapothekerkammer sieht sich in ihrer Rechtsauffassung gestärkt. „Das war für uns ganz klar rechtswidrig“, sagte Karsten Diers, Geschäftsführer der Landesapotheker­kammer Baden-Württemberg. Die Apotheker hatten unter anderem bemängelt, dass Au­tomaten keine Wochenend- und Nachtdienste unterhalten würden. Die Arzneimittelver­sor­gung ­in Hüffenhardt, das ist auch die Auffassung des Regierungspräsidiums, sei wei­terhin gesichert, da die Bevölkerung eine Rezeptsammelstelle von zwei in den Nach­bar­orten ansässigen Apotheken nutzen könne.

DocMorris will sich unterdessen nicht sofort geschlagen geben. „Wir glauben weiterhin, dass man in Deutschland digitale Projekte zum Wohle aller umsetzen kann“, sagte Geschäftsführer Olaf Heinrich.

© dpa/aerzteblatt.de

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