Ausland – 21.04.2017

Tausende Missbildungen in Frankreich durch Antiepileptikum

Paris – Bis zu 4.100 Kinder sind in Frankreich wegen des Antiepileptikums Valproat mit schweren Missbildungen auf die Welt gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt die fran­zö­­si­sche Arzneimittelaufsicht ANSM in einer gestern in Paris vorgelegten ersten Schät­zung. Dem­nach haben Frauen, die während der Schwangerschaft Valproat zu sich nehmen, ein vierfach erhöhtes Risiko, ein Kind mit schweren Missbildungen auf die Welt zu brin­gen.

Untersucht wurden Geburten seit der Einführung des Medikaments Depakine mit dem Wirk­stoff Valproat im Jahr 1967. Das vom französischen Pharmariesen Sanofi herge­stell­te Medikament wird gegen Epilepsie verschrieben. Der Wirkstoff wird auch gegen bipola­re Störungen eingesetzt.

Seit Anfang der 1980er-Jahre ist die Gefahr von Missbildungen bei Babys bekannt. Be­troffene Familien gehen in Frankreich mit juristischen Mitteln gegen Sanofi vor. Sie wer­fen dem Pharmakonzern vor, schwangere Frauen nicht hinreichend informiert zu haben. Seit 2015 darf Valproat schwangeren Frauen oder Frauen in gebärfähigem Alter nur noch verschrieben werden, wenn andere Medikamente nicht anschlagen.

Valproat wird auch in Deutschland verkauft. Zahlen zu möglichen Missbildungen wegen einer Einnahme des Medikaments während der Schwangerschaft liegen aber nicht vor, wie die Bundesregierung im Januar in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundes­tag erklärte. Demnach wurden valproathaltige Arzneimittel in Deutschland in der Ver­gan­genheit aber deutlich weniger häufig verschrieben als in Frankreich.

© afp/aerzteblatt.de

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