26/30

Ärzteschaft – 20.04.2017

Psychotherapie: Hohe Nachfrage nach Terminen in Niedersachsen

/Vadim Guzhva, stock.adobe.com

Hannover – Seit dem 1. April können über die Servicestellen der Kassenärztlichen Ver­eini­gungen (KVen) nicht nur Facharzt-, sondern auch Psychotherapeuten-Termine ange­fragt werden. Die ersten Zahlen zeigen: Die Nachfrage ist groß.

In Niedersachsen sind bei der Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nieder­sach­sen (KVN) zwischen dem 3. April und dem 18. April dieses Jahres 6.167 An­rufe ein­ge­gangen. Davon ging es nach Angaben der KVN bei rund 3.600 Anrufen um das The­ma Psychotherapie. Rund einem Drittel der An­rufer wird ein Termin vermittelt. Ande­re An­rufer wollten allgemeine Informationen oder einen Termin bei einem bestimmten Arzt bekommen, was über die Servicestelle nicht möglich ist.

Die Psychotherapeuten machten gut mit, sagte der stellvertretende Pressesprecher der KVN, Uwe Köster. Es seien schon viele Terminvorschläge im Onlinesystem verzeichnet – das betreffe freie Termine genauso wie Therapiezeiten, so das erste Fazit von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung.

Psychotherapeuten sehen zentrale Terminvergabe kritisch

Die Patienten können sich aber weder den Therapeuten, noch den Termin oder die Re­gi­on aussuchen. Das heiße: Wenn der vermittelte Patient doch nicht erscheine, bleibe man auf der freien Stunde sitzen, in der man auch gut an­de­re Patienten hätte behandeln können, sagte Enno Maaß, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Psycho­therapeuten Vereinigung (DPtV).

Er betonte, der Druck für die Psychotherapeuten habe sich erhöht, denn sie seien einer­seits dazu verpflichtet, freie Sprechzeiten anzubieten, erhielten aber eine geringere Ver­gütung als vorher. Die Honorare liegen drei Prozent unter der bundessozial­ge­richtlich festlegten Mindestvergütung der genehmigungspflichtigen Psychotherapie-Leis­tungen.

Maaß erklärte zudem, die Psy­cho­therapeuten würden ihre Ter­mi­ne lieber selbst an­bie­ten, statt zentral Patienten ver­mittelt zu bekommen. „Das System wäre dann flexibler. Für uns Behandelnde ist es außerdem wichtig, beim ersten Kontakt gleich einen Eindruck vom zukünftigen Patienten zu bekommen“, erklärte er.

Zudem gab es schon vorher Engpässe bei der Versorgung, was sich vor allem im großen Flächenland Niedersachsen bemerkbar mache, erklärte Maaß. Gerade in ländlichen Re­gionen wie Ostfriesland, wo Maaß seine Praxis hat, gebe es verhältnismäßig wenige Psy­chotherapeuten. Dieses Problem habe auch die zentrale Terminvergabe nicht gelöst.

© dpa/aerzteblatt.de

Bookmark-Service:
26/30
Ärzteschaft
Politik
Medizin
Ausland
Vermischtes
Hochschulen