Medizin – 17.03.2017

Zahl der Tuberkulosefälle in Deutschland weitgehend unverändert

Berlin – In Deutschland wurde im letzten Jahr bei 5.915 Menschen eine Tuberkulose neu diagnostiziert. Bei 125 Patienten lag eine multiresistente Form der Erkrankung vor. Insgesamt 105 Patienten sind an der Erkrankung gestorben, darunter ein Kleinkind. Dies geht aus einem Bericht im Epidemiologischen Bulletin hervor, der anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März veröffentlich wurde.

Auch wenn die Erkrankungszahlen in den letzten Jahren leicht angestiegen und gegenüber 2015 annähernd gleich geblieben sind, ist die Tuberkulose in Deutschland weit davon entfernt, ein nationales Gesundheitsproblem zu sein. Global gesehen ist die Situation jedoch weniger günstig.

Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation erkrankten 2015 10,4 Millionen Menschen an einer Tuberkulose, an der 1,4 Millionen Menschen starben. Sechs von zehn Erkrankungen traten in nur sechs Staaten auf: Indien, Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika. Diese sind derzeit nicht die Hauptherkunftsländer von Migranten. Doch die meisten Tuberkulose-Erkrankungen (72,1 Prozent) treten bei Menschen auf, die nicht in Deutschland geboren wurden.

Die Tuberkulose verläuft in der Regel zunächst latent. Die Menschen erkranken – wenn überhaupt – erst Monate oder Jahre nach der Infektion. Deshalb kann das Screening von Asylsuchenden, das derzeit in den Gemeinschaftseinrichtungen durchgeführt wird, nicht verhindern, dass Tuberkulose-Erreger nach Deutschland eingeschleppt werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) fordert deshalb die Ärzte in der Regelversorgung auf, bei allen Menschen mit Migrationshintergrund (oder anderen Risikofaktoren, etwa Obdachlose) bei verdächtigen Symptomen immer auch eine Tuberkulose in Betracht zu ziehen. 

Da die Erkrankung aufgrund ihrer Seltenheit vielen Ärzten nicht mehr vertraut ist, hat das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung am Forschungszentrum Borstel einen telefonischen Informationsdienst TBinfo eingerichtet, an den sich Ärzte im Zweifelsfall wenden können. Zwischen Juni 2015 und Mai 2016 wurden immerhin 952 telefonische Anfragen beantwortet.

Die Tuberkulose kann in der Regel gut behandelt werden. Ein Erfolg ist jedoch auch in Deutschland nicht garantiert. Laut RKI verlief die Behandlung 2014 in 14,2 Prozent der Fälle nicht erfolgreich. Ein häufiger Grund ist die nicht konsequent zu Ende geführte Medikamenteneinnahme, die sich noch immer über mehrere Monate erstreckt und hohe Ansprüche an die Mitarbeit der Patienten stellt. Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose hat im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin eine neue Leitlinie erstellt, die demnächst erscheinen soll. 

Sie beschäftigt sich auch mit Resistenzen gegen Tuberkulosemedikamente, die zunehmend zu einem globalen Problem werden. In Deutschland ist dies derzeit (noch?) nicht der Fall. Im Jahr 2015 gab es laut RKI 125 MDR-Tuberkulosen (Anteil 3,3 Prozent), bei denen die Erreger gegen mindestens zwei Erstlinien-Tuberkulostatika resistent sind, sowie 13 XDR-Tuberkulosen (Anteil 0,3 Prozent), bei denen die Resistenzen alle Erstlinien-Tuberkulostatika und zusätzlich mindestens zwei Zweitlinien-Tuberkulostatika umfassen.

Am häufigsten werden multiresistente Erreger bei Patienten gefunden, die in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geboren sind. In dieser Gruppe wird bei jedem vierten Tuberkulosepatienten eine Multiresistenz registriert. Bei allen Patienten mit MDR-Tuberkulose ist eine verlängerte Therapie mit häufigen Kontrollen der Resistenz erforderlich. Die Behandlung erfolgt unter einer direkt überwachten Medikamentengabe.

© rme/aerzteblatt.de

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