Medizin – 16.03.2009

Studie: Vegetarier erkranken häufiger an Darmkrebs

Oxford – Vegetarier erkranken nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im American Journal of Clinical Nutrition (2009. doi:10.3945/ajcn.2009.26736M) zwar insgesamt etwas seltener an Krebs. Doch der Fleischverzicht war mit einer deutlich erhöhten Rate von Kolorektalkarzinomen assoziiert.

Neben dem Tierschutz führen Vegetarier häufig an, dass eine fleischlose Ernährung gesünder sei, vor allem für die Verdauungsorgane. Nicht selten wird ein niedriges Darmkrebsrisiko postuliert. Beweisen lässt sich das nicht, denn eine randomisierte Studie, in der Personen die Wahl ihrer Speisen dem Losverfahren überlassen, ist kaum denkbar.

Es werden deshalb immer wieder die Ergebnisse von prospektiven Beobachtungsstudien angeführt, bei denen die Teilnehmer zu Beginn nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt werden, um in späteren Untersuchungen den Einfluss auf die Gesundheit zu erkunden.

Eine derartige Studie ist die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC). Zu den 23 teilnehmenden Zentren gehören die englischen Universitätsstädte Oxford und Cambridge samt Umgebung. Der Epidemiologe Tim Key von der Universität Oxford hat die Ergebnisse der Oxford-Kohorte von 63.550 Personen untersucht.

Auffällig war zunächst, dass die Teilnehmer von EPIC-Oxford, egal ob Fleischesser oder Vegetarier, seltener an Krebs erkranken als der Rest der Briten: Die standardisierte Inzidenzrate betrug 72 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 69-75 Prozent). Bei den Vegetariern gilt dies allerdings nicht für das Kolorektalkarzinom. Mit einer standardisierten Inzidenzrate von 102 Prozent erkrankten Vegetarier tendenziell häufiger an diesem Krebs als die Allgemeinbevölkerung. 

Der direkte Vergleich von Fleischkonsumenten und Vegetariern in der Kohorte selbst bestätigt den Eindruck. Vegetarier erkranken tendenziell seltener als Fleischesser an Krebs: Der Unterschied war allerdings bei einer Inzidenzrate von 0,89 nicht sehr groß und er verfehlte mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,00 auch das Signifikanzniveau. Wesentlich deutlicher war die Assoziation von vegetarischer Ernährung und Darmkrebs: Die Inzidenzrate betrug 1,39. Der Fleischverzicht erhöht das Risiko um mehr als ein Drittel, und mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,91 war der Zusammenhang auch statistisch signifikant.

Die geringere Rate von Krebserkrankungen in der EPIC-Kohorte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung könnte darauf zurückzuführen sein, dass alle Teilnehmer sich freiwillig gemeldet haben und sich deshalb möglicherweise insgesamt gesundheitsbewusster ernährten als die durchschnittliche Bevölkerung. © rme/aerzteblatt.de


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