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Gesundheit – 04.04.2017

Wo der soziale Juckreiz entsteht

Juckreiz ist ansteckend. Der Anblick eines Menschen, der sich kratzt, löst bei anderen Menschen sofort ein unbehagliches Gefühl aus, das sich am besten durch Kratzen beheben lässt. Dies gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch für Mäuse. Bei den Nagern reicht auch ein Video von kratzenden Tieren aus, um das gleiche Verhalten auszulösen. Yaoqing Yu von der Washington University in St. Louis konnte auf diese Weise ausschließen, dass olfaktorische oder akustische Reize die Reflexreaktion auslösen.

Blieben nur noch die optischen Reize als Trigger. Tatsächlich zeigten weitere Versuche, dass der Juckreiz über den Nucleus suprachiasmaticus vermittelt wird. Dieser Anteil des Hypothalamus hat direkte Verbindung zum Sehnerv. Er ist Sitz der inneren Uhr, die über den Sehnerven synchronisiert wird. Die Forscher fanden weiter heraus, dass das Neuro­peptid GRP (gastrin-releasing peptide) die Verbindung zum Juckreiz herstellt. Tiere, de­nen das Gen für GRP fehlte, ließen sich durch visuelle Reize nicht zum Kratzen anstif­ten.

Dass der Juckreiz über einen eigenen Reflex in einem Kontrollzentrum des Gehirns ver­mittelt wird, zeigt, dass das Kratzen in der Gemeinschaft in der Evolution eine wichtige Funktion gehabt hat. Es könnte die Beseitigung von Parasiten gefördert haben. Die Forscher wollen jetzt untersuchen, ob auch das Gähnen, das ebenfalls ansteckend ist, über einen ähnlichen Reflex vermittelt wird.



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