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Gesundheit – 23.03.2017

In der Ruhe liegt die kognitive Kraft

Kognitive Enhancer, zu denen neben Methylphenidat (Ritalin), Modafinil und Koffein auch ein erholsamer Schlaf gehört, machen die Menschen nicht schlauer als sie sind. Sie können Patienten mit Konzentrationsstörungen jedoch helfen, ihre kognitiven Fähigkei­ten besser einzusetzen – wenn man ihnen genügend Zeit gibt.

So lassen sich auch die Ergebnisse einer randomisierten Studie der Universität Bonn und des Schwedischen Instituts für Sozialforschung deuten: Knapp 40 Schachspieler mussten gegen das Schachprogramm „Fritz 12“ antreten. Vorher waren sie mit Modafinil, Methylphenidat, Koffein oder Placebo behandelt worden. Dieses „Hirndoping“ nutzte den Teilnehmern jedoch nichts, denn es wurde Blitzschach gespielt. Der Spieler hat dabei ins­gesamt nur 15 Minuten Zeit für alle Züge, und die Spieler, die die kogniti­ven Enhancer eingenommen hatten, verloren mehr Spiele, weil sie häufig darüber lagen.

Wenn allerdings nur die Spiele beurteilt wurden, die vor Ende der 15-Minuten-Frist be­endet wurden, verbesserten Modafinil und Methylphenidat und tendenziell auch Koffein die Leistung. Die Chancen auf einen Sieg wurden um etwa fünf Prozent gesteigert.

Das Forscherteam um Klaus Lieb von der Universität Mainz beobachtete, dass die Substanzen die Züge der Spieler verlangsamten. Sie benötigten mehr Zeit für eine Entscheidung. Genau das ist das Ziel der Methylphenidat-Behandlung von Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Die Schüler sollen nicht schlauer werden, sie sollen nur die Möglichkeit erhalten, ihre kognitiven Möglichkeiten besser zu nutzen.



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