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Börsebius – 22.02.2017

Auf dem Weg zu alter Größe?

Die Deutsche Bank mag wirklich nicht jeder. Weiß Gott nicht. Das liegt aber keineswegs nur an bösen Medien und eventuell gierigen Kunden, sondern vor allem an der ehemali­gen Nummer eins des deutschen Geldgewerbes selbst. Da wurden Milliarden in dubio­sen Rechtshändeln (Kirch & Co) versenkt, da wurden ganze Anlegerscharen mit selt­samen Anlageprodukten erst verführt und dann vergrault.

Hochfahrende Arroganz war in den Vorstandsetagen sowieso an der Tagesordnung. In Form von drakonischen Geld­strafen musste das Frankfurter Institut in der jüngsten Zeit eine Klatsche nach der ande­ren verkraften. Wie meine Leser wissen, habe auch ich in früheren Zeiten an dem Geld­haus kein gutes Haar gelassen. Eben genau deswegen.

Doch seit geraumer Zeit hat sich meine pessimistische Einschätzung der Deutschen Bank geändert, und das hat vor allen mit einem Mann zu tun, der sich meines Erachtens jetzt schon unschätzbare Verdienste um diese Bank erworben hat: John Cryan, der neue Boss, hat das Geldhaus in einer Art und Weise umgekrempelt, die mir größte Hochachtung abnötigt. Jede Geschäftseinheit wurde penibel auf den Prüfstand gestellt und notfalls auch gegen interne Widerstände umstrukturiert, die Rechtsstreitigkeiten sukzessive abgebaut. Cryan schaffte es auch, die eingangs erwähnten drakonischen Geldbußen von existenzbedrohend (vor allem in den USA) auf „vertretbar“ herunter­zuhandeln.     

Ich habe die Aktie der Deutschen Bank im Oktober 2016 auch in meine Börsebius-Masterliste aufgenommen (die können Sie übrigens kostenlos abonnieren, einfach an rombach@rompress.de schreiben) und auch vehement positiv besprochen, selbst als der Titel im Herbst letzten Jahren kurzzeitig unter zehn Euro fiel („Keine Peanuts“, Dtsch Arztebl 2016; 113(41): 1828). Das Durchhalten hat sich auch ziemlich gelohnt, beträgt doch die Börsennotiz der Deutschen Bank mittlerweile 18,71 Euro (Stand: 22.02.2017), und viele Anrufer fragen mich, ob sie denn, nahe des Kursziels von 20 Euro, ans Verkaufen denken sollen? 

Doch gemach, gemach. Meines Erachtens wäre das „die Ernte zu früh in die Scheuer gefahren“. Ich möchte Sie herzlichst dazu einladen, die Aktie der Deutschen Bank im Depot zu belassen. Dafür erhöhe ich aktuell das Kursziel für das Institut auf 30 Euro. Wenn Ihnen das jetzt mutig vorkommt: Mag sein, aber mich haben zwei Dinge sehr überzeugt. Zum einen hat die Deutsche Bank vor ein paar Tagen ihren vorläufigen Jahresabschluss für das abgelaufene Jahr vorgestellt, und danach sind durchaus ermutigende Erholungstendenzen zu konstatieren, das gilt vor allem für die Restruk­turierung der sogenannten Risikoaktiva. Zum andern hat sich John Cryan für die bisherigen Verfehlungen mancher Kollegen entschuldigt. Wann hat es das in diesem Gewerbe jemals gegeben?

Cryans Demut imponiert mir mächtig. Auf dem Weg zur alten Größe ist die Deutsche Bank damit allerdings noch lange nicht. Aber auf dem richtigen ist sie allemal.  


Leserkommentare

Heihe am Mittwoch, 22. März 2017, 18:28
Deutsche Bank
Sehr geehrter Herr Rombach,
was ist jetzt mit der Kapitalerhöhung? Kaufen oder alle Aktien verkaufen?
Vielen Dank für einen Rat

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