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Frau Doktor – 01.03.2017

Mit freundlichen Grüßen ...

Die ersten Wochen als Assistenzärztin sind vorüber. Ein Blick über die Schulter: In den ersten Wochen ging es vor allem darum, in die Stationsarbeit eingeführt zu werden. Rasch hatte ich meine ersten eigenen Patienten, rasch die erste eigene Flurseite zu betreuen. Mittlerweile weiß ich, wohin welches Blatt gehört und welche Reiter in den  Patientenkurven wann gezogen werden müssen. Konsile anmelden? Auch das ist kein Buch mit sieben Siegeln.

Dann gibt es da noch die Briefe. Ich bin mir sicher, wenn es Schutzpatrone der Assistenzärzte gibt, dann teilen sich zwei von ihnen die Arbeit: Einer sitzt in der Notaufnahme und sieht den Assistenten zu – wie sie hoffen, bangen und schwitzen. Der Andere schmunzelt, wie sich einer nach dem anderen mit dem 99. und 100. Brief herumschlägt. Schlüssig soll er sein, prägnant und nicht zu lang. Und vor allem: fertig soll er werden.

Einige unserer Patienten müssen bei Entlassung von einem Transportdienst verlegt wer­den. Das abendliche Ranking (Wer geht morgen? Wer geht mit dem Transportdienst? Und wer wird von diesem wiederum zuerst abgeholt? ...) ist am dritten Tag verinnerlicht. Wer einmal die Erfahrung eines wartenden Transportdienstes gemacht hat, weiß, was Stress bedeutet: Da meldet sich der Fahrer bei Schwester 1, der Flurfunk geht an Schwes­ter 2, diese klopft im Arztzimmer – der Transportdienst ist da –, Gleich!, sagt der Assistent. Mir fehlen noch zwei Sätze. – Gleich!, ruft die Schwester. Ihr fehlen noch zwei Sätze. Der Fahrer des Transportdienstes nickt, aber gleich müssen wir los.– Aber gleich müssen sie los, ruft die Schwester in Richtung Assistenzarzt. Man lernt schnell, ein Brief, geht er mit dem Transportdienst, gewinnt das bürokratische Ranking. Immer.

Daran denkend, dass man den Menschen im Schreibbüro mal Schokolade vorbeibrin­gen müsste, grüßt

Frau Doktor


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