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Pflegers Schach med. – 24.01.2017

Heute etwas „gaga“?!

Steht Ihnen nach dem annus horribilis 2016 der Sinn nach etwas Leichterem? Nun denn:

„Hast du Ärger mit deinen Synapsen,
will Parkinson dich verklapsen,
verlier nicht den Humor,
stell dir Heiteres vor,
etwa: Polizeibeamte mit Strapsen!“

Dieser Limerick findet sich im Büchlein „Alltagspoesie für Optimisten“ von Dr. med. Helmut Schröder, der seit vielen Jahren an Parkinson leidet, aber erfreulicherweise nach einer längeren Pause seit zwei Jahren wieder an der Schachmeisterschaft für Ärztinnen und Ärzte, veranstaltet vom Deutschen Ärzteblatt und dem Deutschen Schachbund, teilnimmt. 

Der surrealistische Künstler Marcel Duchamp, der jahrelang die Kunst zugunsten des Schachs aufgegeben und immerhin Frankreich – mit dem damaligen Weltmeister Alexander Aljechin am Spitzenbrett –  zweimal bei Schacholympiaden vertreten hatte, hätte wohl seine Freude an diesem Gedicht gehabt: „Das Milieu der Schachspieler ist mir wesentlich sympathischer als das der Künstler. Das sind so richtig umnebelte, blinde Menschen, Menschen mit Scheuklappen, Verrückte mit Bedeutung, so wie Künstler eigentlich sein sollten, es aber nur selten sind.“

Unwillkürlich muss ich hierbei auch an meinen Freund Dr. med. Modjtaba Abtahi denken, der mit großem Ernst und viel Hingabe seinem Beruf als Chefarzt der Unfall­chirurgie des Prosper-Hospitals in Recklinghausen nachging, aber seine abendlichen Blitzschachpartien und mal mehr, mal weniger gelungene kombinatorische Einfälle mit dröhnendem Lachen und weitestgehend sinnfreien Sprüchen wie „Ei-ei-ei, sagt dazu Mr. Nicolai“ (ein bekannter Schachspieler) oder „Meck, meck, ich heirat’ dich vom Fleck weg!“ begleitete. Wer wollte, sei es als Gegenspieler oder Kiebitz, da nicht vom Fleck weg geheiratet werden?! 

Aber natürlich ist das Schachspiel, zumal bei einem Turnier, auch ein ernsthafter Wett­streit. So fragten mich beim letzten Turnier in Bad Neuenahr Gäste im Hotelschwimm­bad (das nächste findet vom 31. März bis 2. April in Bad Homburg statt), welche olympische Sportart wir betrieben, nachdem von den Kollegen beim morgendlichen Schwimmen viel von „Punkteständen“ gesprochen wurde. Ich klärte sie auf, dass es um die nichtolympische Sportart Schach ginge. 

Apropos, vor Jahr und Tag gab es in der Ägide des schachspielenden Präsidenten Samaranch Überlegungen und „Probeläufe“, Schach ins olympische Programm einzu­gliedern. Doch wie Samaranch mir in einem Fernsehinterview darlegte, sicher nicht bei den Winterspielen, weil diese per definitionem auf Schnee oder Eis stattfänden.

Zurück zum Schach und ganz gezielt zum Objekt so mancher Begierden, dem „Mäd­ler­schen Bücherstand“, bei dem mein Klassenkamerad Dr. med. Norbert Knoblach das Büchlein „Der blinde Fleck“ mit dem Untertitel „Allerlei Gründe schachlicher Kurzsichtig­keit“ ersteht. Das erinnert mich sehr an die „Amaurosis scacchistica“ unseres schach­lich-ärztlichen Urvaters Dr. med. Siegbert Tarrasch, der vor circa 100 Jahren hinter dem Weltmeister Emanuel Lasker der zweitbeste Schachspieler der Welt war. Doch auch Frau Wessendorf, die gar nicht Schach spielt, aber mit dem letztjährigen Sieger Dr. med. Thomas Wessendorf verheiratet ist, kann oder will dem Sog dieses einmaligen Buch­stands nicht widerstehen und kauft ein Schachbuch. Vielleicht nach dem bekannten Ehe-Motto „Mitgefangen, mitgehangen“? Oder vielleicht, weil es sich dort so schön plaudert? Oder geht es gar bald um die Familienmeisterschaft? Unsereins kann nur rätseln.

Diagramm

(wKg1, Dd1, Tc1, Tf1, Lb2, Sa4, Ba2, e2, f2, g3, h2;

sKg8, Dd8, Tc8, Ld6, Lf7, Sc6, Ba7, b7, g6, h7)

Gar nicht rätselhaft ist hingegen die Tatsache, dass Dr. med. Matthias Birke, ein Mann der ersten Stunde, der stets an der Spitze mitspielt, als Weißer am Zug wohl­gefällig auf diese Stellung blicken konnte. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, will sich sein Kollege Oliver Erlinger den Bauern a2 einverleiben und dann vielleicht mit seinen Freibauern am Damen­flügel einen „Bauernsturm“ lostreten. 

Doch Dr. Birke fackelte nicht lange und zeigte mit beherztem Vorgehen, dass dem schwarzen König überraschend unmittelbar Gefahr drohte. Wie kam’s? 

Lösung zeigen

Nach dem Qualitätsopfer 1.Txc6! war der Wächter des wichtigen Zentralfelds d4 elimi­niert, sodass nach 1...Txc6 Weiß mit 2.Dd4 Mattdrohungen auf g7 und h8 aufstellen konnte – die lange Diagonale b2–h8 ist furchtbar.

Schwarz trat mit seinem König die einzig mögliche Flucht an: 2...Kf8, musste aber nach 3.Dh8+ Lg8 (3...Ke7 4.Lf6+) 4.Dg7+ aufgeben, weil nach 4...Ke8 5.Dxg8+ der Läufer g8 bei anhaltender Misere verloren ging.


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