14/301

Vom Arztdasein in Amerika – 12.12.2016

Immer weniger unversicherte Amerikaner

Die Entwicklung, dass immer weniger US-Amerikaner keine Krankenversicherung haben also im Umkehrschluss immer häufiger krankenversichert sind, setzt sich ungebrochen fort. Dazu wurden im Oktober des Jahres 2016 aktuelle Zahlen veröffentlicht und finden sich gebündelt auf der Internetseite wallethub.com wieder: https://wallethub.com/edu/uninsured-rates-by-state/4800/.

Wenig überraschend sind als progressiv bekannte Bundesstaaten wie Massachusetts, Vermont, Hawaii, Minnesota und Iowa führend und nicht nur, dass diese allesamt eher hohe Steuersätze haben, um dieses zu finanzieren, meistens sind sie von der eher als links zu bezeichnenden Partei der Demokraten geprägt. Weiterhin hat nur in einem von diesen die Bevölkerung beim Präsidentschaftswahlkampf für den republikanischen Kandidaten Donald Trump gestimmt, nämlich Iowa. Die Unversichertenquote bewegt sich mit einem Anteil von zwischen 3,25% und 5,50% auf niedrigem Niveau und ähnelt dabei dem Anteil von vielen europäischen Ländern.

Betrachtet man die Schlusslichter dieser für das Jahr 2015 ermittelten Krankenver­sicherungsanteile an der Bevölkerung, so sind wenig überraschend alle davon solche, die schon seit Jahren als „konservativ“ und „republikanisch“ gelten, die auch im Jahr 2016 alle für den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gestimmt haben: Platz 46 ist Florida (14,99% sind nicht versichert), 47 ist Oklahoma (16,07%), 48 Georgia (16,24%), 49 Alaska (16,37%) und Schlusslicht ist Texas mit einer Unversichertenquote von 19,87%. Erwähnenswert ist, dass drei dieser fünf Bundesstaaten keine zusätzliche Einkommenssteuer haben und die beiden anderen, Georgia und Oklahoma, eher niedrige Steuersätze aufweisen. Das ergibt auch Sinn, denn irgendwo her muss das Geld ja kommen für die Finanzierung.

Die Diskussion ist natürlich eine hitzige seit diese neuesten Zahlen veröffentlicht worden sind. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die von einer „weiterhin bestehenden Schande“ für die USA sprechen, davon daß es nicht soviel Ungleichheit geben dürfe und Massachusetts das Vorbild zu sein habe. Die andere Seite spricht naturgemäß vom „Recht auf Nichtversichertsein“ und dass man als US-Bürger doch das Recht haben dürfe, sich nicht zwangsversichern lassen zu müssen, wie es in vielen der weit vorneliegenden Bundesstaaten der Fall sei. Wer sich gesund ernähre und verhalte, den dürfe man doch nicht zwingen sein hartverdientes Geld für eine Versicherung auszugeben die er nicht wolle und auch nicht brauche

So dreht sich die Diskussion gefühlt jedes Jahr im Kreis. Betrachtet man die Zahlen aber aus einer eher langfristigen Perspektive, so wird erkennbar, dass in allen 50 Bundesstaaten der Anteil der Unversicherten jedes Jahr und zum Teil deutlich zurückgegangen ist.

Die von Präsident Obama angestoßenen Reformen und die positive wirtschaftliche Entwicklung haben tatsächlich eine Ausweitung der Krankenversicherung zur Folge und aus meiner Sicht stellt sich weniger die Frage, ob sich diese Entwicklung fortsetzt (ich denke, das wird sie), sondern ob sie von Präsident Donald Trump verlangsamt oder beschleunigt werden wird. Der Nachteil von höheren Steuern und Abgaben steht dem Vorteil immer größerer Kreise von Krankenversicherten gegenüber. 


Leserkommentare

Aedes am Dienstag, 13. Dezember 2016, 11:16
Habe Sie eigentlich eine Meinung?
"Der Nachteil von höheren Steuern und Abgaben steht dem Vorteil immer größerer Kreise von Krankenversicherten gegenüber."
Sie erwecken in Ihrem Beitrag den Anschein, als würden Amerikaner ohne Krankenversicherung keine Kosten verursachen? Ist das Ihr Ernst? Wie wird das denn in Ihrem Arbeitsalltag gehandhabt? Wie verhalten Sie sich gegenüber einem Patienten ohne Versicherungsschutz?
Sie haben eine so spannende Position, könnten unmittelbar berichten über die Ansichten der amerikanischen Kollegen zu diesen sozial- und gesundheitspolitischen Themen. Machen Sie das doch bitte.
Auch die Reaktionen Ihrer Kollegen auf die sinkende Lebenserwartung der Amerikaner würde mich sehr interessieren. Medizin als soziale Wissenschaft? Ärzte als Anwälte der Armen?

Bookmark-Service:
14/301
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs