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Gesundheit – 28.12.2016

Gewitter können Asthmaanfälle auslösen

In Melbourne mussten Ende November nach einem schweren Gewitter mehr als 8.000 Menschen wegen schwerer Asthmaattacken in Kliniken behandelt werden, acht starben, einer wird laut Presseberichten noch auf Intensivstation behandelt. Die Asthma­attacken wurden vermutlich durch Gräserpollen ausgelöst, die derzeit in Südaustralien blühen – dort ist Frühling – und durch den Sturm in die mit 4,25 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes geweht wurden.

Für Melbourne ist es nach 1991 und 2010 bereits die dritte Asthmaepidemie, die durch ein Unwetter ausgelöst wurde. Starke Regenfälle und ein Nordwind tragen die Pollen der zu dieser Zeit blühenden Gräser in die Stadt, wo sensibilisierte Menschen unmittelbar mit Atemnot reagieren. 

Auch in Europa sind solche Epidemien aufgetreten. In Birmingham kam es 1983 nach einem Sturm zu einer Zunahme von Notaufnahmen. Statt zwei oder drei Fälle mussten die Ärzte am East Birmingham Hospital 26 Patienten behandeln. In London wurden nach einem heftigem Gewitter 1994 innerhalb von 30 Stunden 640 Patienten statt des sonstigen Durchschnitts von 66 Patienten behandelt.

In Süditalien kam es 2004 (Neapel) und 2010 (Barletta/Apulien) zu einer Zunahme von Asthma-Exazerbationen. Die Epidemie in Apulien wurde durch Olivenpollen verursacht. In den meisten anderen Epidemien waren Gräserpollen (Parietaria) der Auslöser. Betroffen waren nicht nur Menschen mit bekannter Sensibilisierung. Viele Menschen erlebten während des Gewitters ihren ersten schweren Asthmaanfall.

Die Beschwerden treten häufig bereits in den ersten 20 bis 30 Minuten des Gewitters auf, berichtet Isabella Annesi-Maesano vom französischen Forschungsinstitut INSERM in Paris in Clinical & Experimental Allergy. Der starke Wind, der dem Regen vorausgeht, könnte die Pollen in die Luft befördern, wo sie infolge der hohen Luftfeuchtigkeit auf­brechen.

Dies könnte die Allergenkonzentration erhöhen, die dann mit dem einsetzen­den Regen wieder in die bodennahe Luft gelangt. Dass Umweltschadstoffe, etwa der Feinstaub aus Dieselmotoren, den Transport erleichtern, ist nicht belegt. Unklar ist auch, ob infolge des Klimawandels häufiger mit solchen Epidemien zu rechnen ist.



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