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Vom Arztdasein in Amerika – 29.11.2016

Die Trump-Angst

Die meisten Deutschen werden von den Ängsten vieler US-Amerikaner gehört haben angesichts der Wahl des Milliardärs Donald John Trump am 8. November statt der Multimillionärin Hillary Rodham Clinton zum US-Präsidenten. Es gab viele Gründe wieso sich zum Beispiel gerade Beamte, Künstler, Professoren und Studenten die Demokratin Hillary Clinton als Präsidentin wünschten, und diese Ängste begegnen mir in der täglichen Visite.

Mit zwei Ärztinnen, beide "nichtweiß" und jünger als ich, kam ich direkt nach der Wahl ins Gespräch. Es ging dabei um die Sorge vor einem Weltkrieg und die Vermutung, Donald Trump Atomwaffen bei solch einem Konflikt einsetzen würde. Manche seiner Kritiker sagen ihm eine emotionale Volatilität und Unberechenbarkeit nach, und mit viel Ernsthaftigkeit lauschte ich ihren Befürchtungen.

Andere Menschen, in diesem Fall Patienten, zwei davon Professoren, drei andere in Beamtenpositionen, machten sich Sorgen um das Ansehen der USA in der Welt, dass nun aus ihrer Sicht Nationalismus, Chauvinismus und eine Rückkehr zu veralteten Werten stattfinden würde. Einer fürchtete sich davor, dass nun der militärisch-kapitalistische Komplex das Weiße Haus übernehmen wird, ein anderer, dass Guantanamo Bay, ein Gefängnis welches Präsident Obama versprochen hatte zu schließen, aber noch immer offen und in Betrieb ist, nun ausgeweitet und vergrößert wird. Ein dritter macht sich Gedanken, dass Freunde und Angestellte (eine Putzfrau und zwei Hausangestellte) von ihm ausgewiesen werden, weil sie sich seit Jahren illegal im Land aufhalten.

Auch eine weiße Frau, die mit einem Nichtweißen verheiratet ist und zwei gemeinsame Kinder mit ihm hat, berichtete mir, wie sie und ihre Familie sich überlegt haben, nach Mexiko oder Kanada auszuwandern, weil sie sich vor zunehmenden Rassismus und einen Polizeistaat fürchten. Alles Sorgen, von denen sie überzeugt sind, dass Donald Trumps Präsidentschaft sie mit sich bringen wird. Ein anderer Patient ist davon überzeugt, dass nun die Polizisten noch härter gegen Minderheiten vorgehen und diese einsperren werden.

Wiederum andere sehen im Versprechen Donald Trumps die Steuern zu senken und trotzdem neue Infrastrukturprojekte zu starten und diverse Sozialleistungen nicht zu kürzen, eine nicht zu vereinbarende finanzielle Anstrengung. Aus ihrer Sicht heraus wird Donald Trump die USA und damit die Welt in eine tiefe Krise stürzen, weil er Dinge versprochen hat, die nur mittels neuer Schulden und damit einer Abwärtsspirale des Dollars und der Wirtschaft zu bezahlen sind.

Die Liste der Ängste und Befürchtungen ist sehr lang, aber klar ist, dass seit dem 8. November sich das Gesprächs- und Emotionsklima verändert hat. Es scheinen mehr Ängste, aber auch Hoffnungen zu bestehen. Was wirklich sich zutragen wird, das wird man erst Jahre nach dem Beginn der Trump-Präsidentschaft sagen können, vielleicht sogar erst Jahrzhente später. Aber spannend bleibt es auf alle Fälle, und ich bin dankbar, diesen Moment hautnah mitzuerleben.


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