22/304

Vom Arztdasein in Amerika – 02.11.2016

Der Arzt entscheidet

Das Gespräch mit einem Krankenhausdirektor liegt nur wenige Tage zurück. Ohne Vorwarnung war er in mein Büro hineingekommen und hatte mich, nicht zum ersten Mal, gefragt, ob ich nicht Lust hätte ab nächstem Jahr als Krankenhausinternist für ihn zu arbeiten – ein informelles, aber mit Sicherheit sehr realistisches Stellenangebot.

Das von ihm geleitete Haus ist dabei nicht sonderlich groß, aber sehr leistungsfähig. Mit den ärztlichen Kollegen rede ich sehr detailliert über interne Angelegenheiten und somit kenne ich die Details solch einen Vertrages und weiß, dass sie gut sind, aber in meiner Ehrlichkeit und Direktheit lehnte ich zunächst ab, auf aktuelle Vorstellungsgespräche mit der Mayo-Klinik und mit anderen Krankenhäusern innerhalb des sehr großen Mayo-Gesundheitssystemes verweisend, auch darauf, dass es Arbeitsangebote vom Universitätsklinikum Vanderbilt gebe.

Das Gespräch drohte hiernach zu versanden, er stand schon einige Male auf, doch nach einigem Nachfassen von meiner Seite kamen wir wieder auf ein potenzielles Arbeitsangebot zu sprechen, und wir vertieften das Gespräch, in dem ich über meine Vorstellungen redete. Der größte Knackpunkt ist aus US-Sicht, dass ich Teilzeit arbeiten möchte, was viele für einen Mann als extravagant betrachten, und der Direktor fragte mich deshalb, ob diese Vorstellung realistisch sei. „Natürlich, es gibt diverse Angebote“, wie ich aufrichtig und ernst ihm dann erzählte.

Von da an ging es dann ins für ihn Persönliche und von seinen Schwierigkeiten, seine offene Stelle zu besetzen, wie anstrengend es sei, einen guten Arzt für das Krankenhaus zu finden. „Sie als Arzt haben alle Möglichkeiten, sitzen im Fahrersitz und können sich die Stelle aussuchen“, wie er nüchtern und realistisch meine Gedanken aussprach. Tatsächlich ist das der Stand des Jahres 2016: Es gibt einen deutlichen und greifbaren Mangel an Ärzten, in meinem Fall an Internisten, und der Arbeitsmarkt könnte kaum besser derzeit sein. Das fühlt sich gut an.


Bookmark-Service:
22/304
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs