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Gesundheit – 11.10.2016

Das Leben dauert maximal 114,9 Jahre

Bevor die Französin Jeanne Calment 1997 im Alter von 122 Jahren starb, war sie der älteste lebende Mensch. Bis heute hat niemand diesen Altersrekord gebrochen, und nach Ansicht von Jan Vijg vom Albert Einstein College of Medicine wird dies auch so bleiben. 

Der Forscher schließt dies aus der Auswertung der International Database on Longevity, die Daten zu den sogenannten „Supercentenarians“ sammelt. Das sind Menschen, die älter als 100 Jahre geworden sind. Die meisten Einträge stammen aus Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA. Die Daten reichen bis in die 1970er-Jahre zurück, als das maximale Lebensalter die Grenze von 110 Jahren überschritt. Bis Mitte der 90er-Jahre ist dieses Höchstalter jährlich um 0,15 Jahre gestiegen. Seither verzeichnet die Datenbank einen Rückgang um 0,28 Jahre pro Jahr.

In einer weiteren Datenbank, die die Gerontological Research Group betreibt, erkennt Vijg einen ähnlichen Trend. Dort hat es zwischen 1972 und 1994 einen jährlichen Anstieg der maximalen Lebensdauer um 0,12 Jahre gegeben. Seither verzeichnet sie einen Rückgang um jährlich 0,14 Jahre. Nach den Berechnungen von Vijg liegt das höchste erreichbare Alter derzeit bei 114,9 Jahren. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall liegt zwischen 113,1 und 116,7 Jahren. 

Ob Vijg recht behält, bleibt abzuwarten. Der derzeit älteste Mensch ist Emma Morano, die am 29. November 1899 in Civiasco, Italien geboren ist. Die vermutlich letzte lebende Person aus dem 19. Jahrhundert wird demnächst 117 Jahre alt. Dass Frau Morano älter als 122 Jahre wird, hält Vijg für ausgeschlossen. Die Chance betrage weniger als 1 zu 10.000, schreibt er in Nature. Aber auch Demografen sollen sich schon mal geirrt haben.


Leserkommentare

dr.med.thomas.g.schaetzler am Mittwoch, 12. Oktober 2016, 11:25
Lebenserwartung - keine "unendliche Geschichte"!
Die Lebenserwartung der Weltbevölkerung ist seit 1980 um mehr als zehn Jahre auf 69,0 Jahre bei Männern und 74,8 Jahren bei Frauen gestiegen. Das ist aber keine lineare Funktion. Dagegen stehen Umweltproblematik, Überbevölkerung, Versorgungs- und Ressourcenknappheit, Migration, Genetik, Epigenetik und exogene bzw. endogene Einflüsse der Entropie. Dies scheint aber beim Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) noch nicht angekommen zu sein.
http://www.healthdata.org/news-release/increase-global-life-expectancy-offset-war-obesity-and-substance-abuse

Wesentlich für die Limitierung der weltweiten Lebenserwartung sind nicht nur Krieg, Adipositas und Drogenmissbrauch ["Increase in global life expectancy offset by war, obesity, and substance abuse"]. Sondern auch Diabetes mellitus, Alkohol- und Zigaretten-, Zucker- und Kohlenhydratkonsum, Bewegungsmangel, Fehlernährung, Endothelschäden, neue Krankheitserreger, Umweltbelastungen, Armut, Hunger und Not, Mangelversorgung, Terrorismus, Fundamentalismus und der globale Verteilungskampf um die ökonomische und politische Vorherrschaft: Ja selbst die Spaltung zwischen Arm und Reich oder der Zugang zu sauberem Trinkwasser und unbelasteten Nahrungsmitteln können zusätzlich die Lebenserwartung verringern oder "quality of life"-Ansprüche schmälern.

Beispiel USA: Die immer weiter aufgehende Schere zwischen der Unterschicht mit stark sinkender Lebenserwartung kann gar nicht mehr durch die wesentlich höhere Lebenserwartung der Oberschicht kompensiert werden, so dass die allgemeine Lebenserwartung aktuell stagniert und in sozialen Brennpunkten deutlich sinkt.

Paradox ist auch folgendes: Konzerne, die ihre Geschäftspolitik im Informatik-Zeitalter nahezu ausschließlich auf Konsumentinnen und Konsumenten in postindustriellen Gesellschaften mit hoher Innovationgeschwindigkeit ausgerichtet haben, tragen eher zur Verschwendung der "Habenden" als zur Umverteilung für die "Nicht-Habenden" bei, und limitieren damit die Lebenserwartung einer globalen Unterschicht von Unterprivilegierten. Sie sollten dies nicht auch noch durch Förderung von wissenschaftlichen Einrichtungen verschleiern, welche versuchen, die Lebenserwartung schön zu reden.

Die Global Burden of Disease Studie, gefördert von der Bill & Melinda Gates Foundation, von 2015 mit dem Titel "Global, regional, and national life expectancy, all-cause mortality, and cause-specific mortality for 249 causes of death, 1980–2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015", publiziert als 'GBD 2015 Mortality and Causes of Death Collaborators, and others - The Lancet'
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)31012-1/fulltext
formuliert es wesentlich vorsichtiger als das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME): Interpretation:
...Trotz der Fortschritte bei der Reduzierung altersstandardisierter Sterberaten bedeuten Bevölkerungswachstum und Älterwerden, dass die Zahl der Todesfälle bei den meisten nicht-übertragbaren Krankheiten in den meisten Ländern zunehmen und damit zunehmende Herausforderungen für die Gesundheitssysteme darstellen. ["Interpretation - At the global scale, age-specific mortality has steadily improved over the past 35 years; this pattern of general progress continued in the past decade. Progress has been faster in most countries than expected on the basis of development measured by the SDI. Against this background of progress, some countries have seen falls in life expectancy, and age-standardised death rates for some causes are increasing. Despite progress in reducing age-standardised death rates, population growth and ageing mean that the number of deaths from most non-communicable causes are increasing in most countries, putting increased demands on health systems. Funding - Bill & Melinda Gates Foundation."]
Also nix mit problemlos steigender Lebenserwartung!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Claus-F-Dieterle am Dienstag, 11. Oktober 2016, 21:06
Ja, und dann!?
Wo werden sie die Ewigkeit verbringen? Es wundert mich immer wieder: wenn die Leute eine Reise planen, studieren Sie Kataloge, Internetportale, Hotelbewertungen, vergleichen Preise usw. Aber warum bereiten sie sich dann auf ihre längste Reise, nämlich in die Ewigkeit, nicht genau so sorgfältig vor?


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