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Gesundheit – 05.10.2016

Risiko SIRVA: Bei Grippe-Impfungen nicht zu hoch zielen

Die Ständige Impf­kom­mis­sion hat dieser Tage die Bevölkerung aufgerufen, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Der heftige Verlauf der letzten Grippesaison mit ge­schätzten 4,1 Millionen grippe­be­dingten Arzt­be­suchen und rund 16.000 grippe­be­dingten Kranken­haus­ein­wei­sungen dürfte viele Menschen motivieren, sich impfen zu lassen. Sie erwarten von ihrem Arzt, dass die Injektion des Impfstoffes in den Oberarm möglichst schmerzfrei ist. Vor allem aber darf sie keine Schädigung der Schulter nach sich ziehen.

Über Schulterverletzungen nach Impfung (SIRVA, shoulder injury related to vaccine administration) wird in der Literatur immer wieder berichtet. Ursache ist meistens eine Verletzung der Bursa subdeltoidea/subacromialis. Bezogen auf die Gesamtzahl der Impfungen ist die SIRVA zwar selten. Eine aktuelle Abfrage der Datenbank des Paul Ehrlich-Instituts ergab für die letzten 15 Jahren aber immerhin 313 Verdachts­meldun­gen, von denen 59 bestätigt werden konnten. In 40 SIRVA-Fällen wurde eine Bursitis diagnostiziert.

Als weitere Diagnosen wurden Tendinitis, Synovitis, Tendovaginitis, Entzündung des Schultergelenkes, Osteomyelitis (sic!), Fasziitis, aseptische Humeruskopfnekrose (sic!), Gelenkschwellung und Gelenkerguss angegeben. Nicht alle SIRVA waren auf eine Grippe-Impfung zurückzuführen. Auch nach Impfungen gegen Pneumokokken, Diph­the­rie-Tetanus-Pertussis, Human-Papilloma-Virus(HPV), Diphtherie-Tetanus und Hepatits A wurden SIRVA beschrieben.

Nicht der Impfstoff ist schuld, sondern die Impftechnik. Der Fehler besteht darin, die Injektion zu weit oben zu setzen. Für eine sachgerechte Impfung sollte die zu impfende Person auf einem Stuhl sitzen und die Hand auf die Hüfte legen. Am dadurch angewinkelten Oberarm sollte der impfende Arzt den Zeigefinger auf dem Acromion platzieren und den Daumen auf die Tuberositas deltoidea legen, um dann in der Mitte zwischen Zeigefinger und Daumen die Injektion zu setzen.


Leserkommentare

utedimo am Donnerstag, 6. Oktober 2016, 12:08
SIRVA nach Impfung
Gut, dass diese Komplikation einmal erwähnt wird. Meine damals 78 jährige Mutter entwickelte einen Tag nach einer Pneumokokkenimpfung so ein Bild mit heftigen Entzündungszeichen und länger anhaltendem Gelenkerguss der betroffenen Schulter. Das Gelenk musste wg. drohender Einsteifung monatelang physiotherapeutisch nachbehandelt werden. Ich habe mir daraufhin die anatomischen Besonderheiten dieser Altersgruppe nochmal genauer angeschaut. Ja, es besteht relativ schnell die Gefahr, dass mangels Muskelmasse und gelockerter Gelenkkapsel viel zu hoch injiziert wird.


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