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Vom Arztdasein in Amerika – 24.08.2016

An ausländischen Ärzten verdienen

Es bereitet sich die nächste Kohorte an Medizinstudenten, „der Jahrgang 2017“ wie schon manche von ihnen auf ihren Hemden tragen, auf ihr Abschlussjahr 2017 vor. Die letzten wichtigen Prüfungen werden in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 geschrieben, die Vorstellungsgespräche für eine Assistenzarztstelle bis zum Januar 2017 absolviert sein und im März des Jahres 2017 wird bekannt gegeben werden welcher Student in welcher Fachrichtung und an welchem Ort angenommen wurde – das scheint zwar noch weit entfernt, aber realistischerweise hat genau jetzt, im Juli und August, die heiße Phase der Bewerbungen begonnen. Der Abschluß des Medizinstudiums Ende Mai bzw. Anfang Juni 2017 ist dann nur noch eine Formalität für diesen Jahrgang und hiernach trifft das geflügelte Wort von „jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ zu.

Wir befinden uns im Spätsommer 2016 also in einer sich intensivierenden Phase der Bewerbungen und des Umschauens und deshalb erlebe ich selbst im Fachgebiet der Geriatrie, einem eher unterdurchschnittlich begehrten Fach, eine hohe Anfrage- und Nachfrageintensität unter Medizinstudenten und Bewerbern. Wir haben immer wieder ortsfremde Famulanten bei uns in der Praxis oder auf Station und ihr Ziel ist weniger das Erlernen der Geriatrie als einen guten Eindruck zu hinterlassen, den Fuß in die Tür der Inneren Medizin zu kriegen.

So arbeitete ich kürzlich mit einem Medizinstudenten aus Kansas zusammen dessen höchste Ambition es ist am hiesigen Uniklinikum der Vanderbiltuniversität als Allgemeininternist unterzukommen. Sehr zielsicher konnte er meine Rolle einordnen (also nicht besonders wichtig im Entscheidungsprozeß), wusste sich an die Entscheidungsträger, also den obersten Ärzten, so oft als möglich zu wenden und dabei einen besonders positiven Eindruck zu hinterlassen. Seine Motivation und Einsatz waren ausgeprägt, und er machte alles was wir ihm auftrugen, bedankte sich bei jedem, stets mit einem Lächeln auf den Lippen, alles mit klarem Ziel im Kopf.

 Ausländische Medizinstudenten und Ärzte haben es viel schwieriger, denn sie sind Externe, müssen zunächst das System kennenlernen und dann die Stelle finden, wo sie überhaupt erst den Fuß hinzusetzen haben um ihn dann hoffentlich in die Tür zu bekommen. Kaum ein Krankenhaus lässt Ausländer famulieren, nur ganz wenige Fachrichtungen sind überhaupt für sie offen.

Entsprechend sind die Internetforen voll von An- und Nachfragen, jeder scheint etwas und gleichzeitig nichts zu wissen, niemand möchte Details mitteilen wenn ihm doch einmal ein guter Wurf gelungen ist, dafür geben aber viele mit dem wenigen, was sie haben umso stärker an.

Vor allem Studenten und Ärzte aus bestimmten Regionen (China, Indien, Pakistan, der Nahe Osten, wenige afrikanische Länder) sind besonders häufig vertreten unter diesen Forenteilnehmern und immer häufiger trifft man auf Firmen und Menschen, die Hilfe anbieten, wie man einen Fuß – vermeintlich – in die Tür des Arztdaseins in den USA kriegt. Gute Noten sind zwar wichtig, aber gerade weil es Tausende an Bewerbern mit exzellenten Noten gibt, gilt es die Spreu vom Weizen zu trennen und im Konkurrenz­kampf um diese Arztstellen will jeder der beste sein.

Alleine für das Erstellen eines als „gut“ bezeichneteten Bewerbungsaufsatzes werden knapp 400 US-Dollar von einer bestimmten und mich dauernd anschreibenden Firma verlangt, für das Optimieren des Lebenslaufes umgerechnet 500 US-Dollar, für die Sichtung der Bewerbungsunterlagen sind oft vierstellige Beträge, wie auch das Vermitteln von Auslandsfamulaturen.

Es wird auch gemunkelt, dass man für noch höhere Beträge auch Empfehlungs­schreiben kaufen kann. Es ist ein dubioses Geschäft, das natürlich von vielen Ausbildungsprogrammen durchschaut wird, manchmal mir nicht klar ob solche Firmen nicht mehr schaden als helfen, wobei sie gefühlt im Wachsen begriffen sind. Der Fuß in der Tür, das Ziel jedes Studenten und Arztes ist eben schwer zu erreichen.


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