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Gesundheit – 08.08.2016

Teure Therapiestudien: US-Institut erprobt Blutplasma als Jungbrunnen

8.000 US-Dollar für 1,5 Liter Blutplasma sind viel Geld, selbst für US-amerikanische Verhältnisse. Vor allem, wenn das Blutplasma ohne Not an gesunde Menschen verabreicht wird. Wer sollte sich darauf einlassen? Das Angebot der Firma Ambrosia LLC aus Monterey in Kalifornien richtet sich offenbar an zahlungskräftige Kunden, für die die Gebühr von 8.000 US-Dollar nicht mehr als die sprichwörtlichen Peanuts sind. Von denen gibt es in Kalifornien genügend, um die 600 Patienten zu behandeln, die das Startup-Unternehmen des 31-jährigen Arztes Jesse Karmazin für die Teilnahme an einer Studie gewinnen will, die auf clinicaltrials.gov gelistet ist.

Die Studie soll laut dem Kurzprotokoll untersuchen, welche Einflüsse Blutplasma-Infusionen auf Alterungsprozesse im Körper haben. Inspiriert wurde die Studie von tierexperimentellen Ergebnissen, die 2014 für Aufsehen sorgten. Forscher der Stanford Universität hatten gezeigt, dass regelmäßige Plasmatransfusionen von jüngeren Tieren bei älteren Tieren die kognitiven Leistungen steigern. Im Hippocampus der Tiere soll die Verjüngungskur neue Nervenverbindungen geschaffen haben, was die verbesserte Lernfähigkeit erklären könnte. Die Therapie griff eine ältere Idee der Parabiose auf, bei der die Blutkreisläufe verschieden alter Tiere miteinander verbunden wurden.

Ob die Plasmainfusionen beim Menschen die gleiche Wirkung erzielen würden, ist nicht bekannt. Die Stanford-Forscher untersuchen dies in der PLASMA-Studie derzeit an Patienten mit Morbus Alzheimer, die, soweit bekannt, nicht für die Teilnahme zur Kasse gebeten werden.

Die Studie der Firma Ambrosia scheint dagegen ein wirtschaftliches Geschäftsmodell zu sein, das die geltenden Arzneimittelgesetze umgeht. Sollte Ambro­sia die Therapie außerhalb der Studie anbieten, würde die Arzneimittelagentur FDA vermutlich schnell intervenieren und die Therapie verbieten. Innerhalb einer Studie kann Ambrosia die Therapie dagegen problemlos anbieten. Voraussetzung ist, dass sich eine Privatklinik findet, deren Ethikkommission zustimmt. 

Dies ist Karmazin gelungen, der gegenüber Science versichert, die Teilnahmegebühren würden nur die Kosten für die Beschaffung der Plasmapräparate, die Labortests, die Genehmigung der Ethikkommission und die Verwaltung decken. Ob dies glaubhaft ist, sei dahingestellt. Wenn sich tatsächlich 600 Teilnehmer für die Studie finden, würde Karmazin immerhin 4,6 Millionen US-Dollar mit der Studie umsetzen.



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