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Pflegers Schach med. – 05.07.2016

Hüte deine Dame!

Das Schachspiel mit seinen zwei sich gegenüberstehenden Schlachtreihen ist ein Abbild des Krieges. Alte Legenden besagen, dass es neben dessen Versinnbildlichung auch zur Sublimierung von dessen mörderischen Aggressionen dient(e). Aber vielleicht lässt sich dieses Sublimierungspotenzial sogar noch erweitern, was zumindest einige „Vorfälle“ bei den letzten Ärzteschachturnieren nahelegen.

Zum Auftakt des letzten im April trug ich ein Gedicht von Dr. med. Helmut Schröder vor, dessen Entstehung sich nicht zuletzt einem „Übergriff“ am Schachbrett verdankt.

„Den Gegner einfach reinzulegen,
das ist zu einfach, wie ihr wisst.
Und jede raffinierte List,
die du dir hast zurechtgelegt,
erweist sich doch als großer Mist,
wenn man sie dir vom Brette fegt.
Am Ende nimmt Herr Krauseneck
dir einfach deine Dame weg.

Man kann zwar kühne Pläne hegen,
die Spielfiguren klug bewegen;
dein Gegner hat etwas dagegen,
auch er zählt zu den Schachstrategen,
macht Druck, auf den du reagierst
und „unverdient“ ganz schnell verlierst.
Am Ende nimmt Herr Krauseneck
dir einfach deine Dame weg.

Die Schachuhr läuft, die Zeit wird knapp,
Zeitnot zerstört die Theorien,
was sollst du tun, den Bauern zieh’n?
Du siehst es schon, es geht bergab,
du treibst direkt in dein Verderben,
hier gibt es für dich nichts zu erben.
Und Herr Professor Krauseneck
nimmt einfach deine Dame weg.

Um Damen geht es oft im Leben,
sind sie uns treu, hat man viel Glück,
es ist ein Nehmen und ein Geben,
man kommt sich näher, Stück für Stück.
Und spielt sie auch noch sehr gut Schach,
wirst du am Ende schließlich schwach.
Nein, Herr Professor Krauseneck,
nimmt diese Dame mir nicht weg!“

Sie werden es schon erraten haben, Professor Dr. med. Peter Krauseneck hatte beim vorherigen Ärzteschachturnier die Dame des Kollegen Dr. Schröder erobert. Aber eben nur die hölzerne, nicht die „leibhaftige“, die selber gern und gut spielt und ihren Mann immer zu den Turnieren begleitet.

Allerdings hätte ich dieses Gedicht, so gelungen es sein mag, wohl doch nicht vorlesen sollen, denn direkt danach nahm beim Uhren-Handicap (ein Simultanspiel mit Zeitbegrenzung) Prof. Dr. med. Eberhard Schwinger aus Lübeck mir seinerseits meine Dame weg. Man sollte die Gegner nicht auch noch auf „dumme“ Gedanken bringen!
Gleichzeitig fragt man sich indes unwillkürlich: Haben Professoren ein Faible für solcherlei Raub- und Winkelzüge, bei denen sie anderer Leute Damen erobern?
Aber vielleicht ist jedwede Verallgemeinerung über den Einzelfall hinaus unzulässig; schließlich erinnere ich mich gut an den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der von einem Politikerturnier stolz gar mit einem ganzen „Harem“ nach Hause ging – drei Mal konnte er der süßen Versuchung nicht widerstehen, die gegnerische Dame zu gewinnen.

Zum Abschluss – und zur Warnung! – noch das letzte diesbezügliche Delikt von Prof. Krauseneck, als er kürzlich beim Landesligawettkampf Bamberg – Herzogenaurach die Dame seines Gegners Moninger zu einem Bauernklau tief in seinem Lager verführte, wonach bald deren letztes Stündlein geschlagen hatte.

Zur Illustration der Partieverlauf:

1.d4 e6 2.Lf4 c5 3.e3 Db6 4.Sc3 cxd4 5.exd4 Dxb2 6.Sb5 Lb4+ 7.Ld2 Lxd2+ 8.Kxd2 Sa6 9.a3 Sf6 10.f3 Sd5

Wie eroberte Prof. Krauseneck als Weißer am Zug nun die schwarze Dame?

Ich kann Ihnen nur raten: Hüten Sie Ihre Dame wie Ihren Augapfel, wenn Sie Prof. Krauseneck am Schachbrett gegenübersitzen!

Lösung zeigen

Nach 11.Tb1 Da2 12.Lc4! hatte die schwarze Dame kein Entrinnen mehr, denn nach 12...Dxc4 und der Springergabel 13.Sd6+! wäre sie verloren gewesen. Schwarz versuchte deshalb noch 12...Dxb1 13.Dxb1 Sb6 14.Ld3 d5, gab aber nach 15.Sxa7! die hoffnungslose Partie auf.


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