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Gesundheit – 06.06.2016

Prince: Tod durch ärztliches Versagen?

Früher starben die Stars mit 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Die Droge hatten sie von ihrem Dealer erhalten. Heute tritt der Tod mit Anfang 50 ein. Ursache ist die Überdosis eines Medikaments, das sie von ihrem Leibarzt erhalten haben. So war es jedenfalls bei Michael Jackson. Der Mediziner Conrad Murray (Gehalt angeblich 150.000 US-Dollar im Monat) soll dem Drängen des Musikers nachgegeben haben und ihm großzügig „Schlafmittel“ verschrieben haben. Die Autopsie wies neben Lorazepam, Midazolam, Lidocan, Diazepam und Nordiazepam auch Propofol in verschiedenen Körperflüssigkeiten nach. Dass diese Kombination gefährlich war, hätte Murray wissen müssen. Wegen Verstoß gegen den hippokratischen Eid wurde er zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Beim Musiker Roger Nelson („Prince“) nennt der Autopsiebericht als Todesursache eine Überdosis Fentanyl. Das hochpotente Opiat wird zur Behandlung von starken Schmerzen eingesetzt. In welcher Dosis und in welcher Form der Künstler das Opiat zu sich genommen hat, ist unklar. Die Indikation sollen starke Schmerzen im Bewegungs­apparat gewesen sein.

Opiate haben eine geringe therapeutische Breite und bei unsachgemäßer Anwendung kann es schnell zu einer Überdosierung kommen. Der Tod des Künstlers dürfte durch Atemdepression eingetreten sein. Eine in den letzten Tagen veröffentlichte Studie fand heraus, dass Opiate neuropathische Schmerzen paradoxerweise verstärken können. In der fälschlichen Annahme einer Gewöhnung, wird dann die Dosis gesteigert. Dieser Irrtum scheint häufig zu sein. Prince ist nicht das einzige Opfer einer Opiat-Über­dosierung. Im letzten Jahr sind in den USA rund 20.000 Amerikaner an einer Überdosis von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln gestorben.

Auch Prince hatte einen Leibarzt. Ob Howard Kornfeld oder sein Sohn Andrew, der gar kein Mediziner ist, dem Musiker das Opiat verordnet haben, ist nicht bekannt. Von der Opiat-Abhängigkeit haben sie wohl gewusst. Sofern die Medien richtig informiert sind, hatte der Sohn ein starkes Gegenmittel (vermutlich Naloxon) bei sich. Für den Künstler kam diese Maßnahme zu spät. Den Kornfelds dürfte eine intensive staatsanwaltliche Ermittlung bevorstehen.



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