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PJane – 20.06.2016

Wish we could turn back time to the good old days ...

Neulich las ich einen Artikel zur Frage, was man anders machen würde, würde man noch einmal (um Gottes willen) Medizin studieren.

Es gibt ja in jedem Semester Leute, die es in bewundernswerter Weise schaffen, sich neben dem Studium noch politisch zu engagieren, in den Semesterferien in entsprechenden Ländern Zelte für Arme aufzustellen und nebenbei noch zwei Fremdsprachen zu lernen.

Bewundernswert ist hier in keinster Weise ironisch gemeint. Es sind einfach junge Menschen, die in der Masse ihrer Aktivitäten und in der Schnelllebigkeit aufblühen.

Genau dieses „Blicken über den Tellerrand“ haben viele, die ich kenne, im Studium vermisst. Auch ich ertappe mich ab und zu bei dem Gedanken, wie schön es gewesen wäre, Zeit für eine Fremdsprache zu haben (gar nicht so leicht bei zwei Vormittagsterminen pro Woche). Andererseits habe ich seit dem 1. Semester nebenbei gearbeitet, und wenn ich so meine Fotosammlung betrachte: Semesterpartys, Grillabende, Fahrradtouren, Strandausflüge ... sobald wir Freizeit hatten, haben wir sie offensichtlich doch genutzt. Man muss sich mit 27 Jahren in einem solchen Studium deswegen nicht schlechter fühlen, wenn man keine Freizeitaktivitäten hat, die sich erheblich von der Masse unterscheiden. Jeder wie er möchte und, vor allem, wie er kann.

Ich glaube aber, die Frage „Wenn ich es nochmal machen würde ...“ zu beantworten mit „Dann würde ich noch dies und jenes und überhaupt viel mehr unternehmen“, ist eine Illusion. Das Studium war arbeitsintensiv, und das wird sich nicht ändern. Klar: Im Nachhinein denkt man vielleicht, in dieser Situation hätte ich einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen sollen – aber hinterher sagt sich das auch leichter.

Ein bisschen Wehmut, weil durch oft durchgetaktete Stundenpläne im Medizinstudium oft nicht viel Zeit bleibt für den Blick nach rechts und links ist wohl normal – irgendetwas ist ja immer.

Umso schöner, wenn dazu relativ verlässlich noch die Sehnsucht nach „den guten alten Zeiten“ kommt – sie sagt uns immerhin, dass es auch solche Momente gab: Sand in den Lehrbüchern, weil man am Strand „lernen“ wollte, alte Videos von wilden Gesängen auf Geburtstagspartys, Farbflecken auf alten Jeans, aus der Zeit, als alle zusammen bei diversen Umzügen anpackten und mindestens eine Tasse vom Weihnachtmarktbesuch im Schrank. Wenn ich es nochmal machen würde, würde ich hoffen, dass ich darauf nicht verzichten müsste.

Auf was würdet ihr hoffen, wenn ihr nochmal Medizin studieren würdet? Würdet ihr etwas anders machen?

Eventuell etwas nostalgisch verklärt

grüßt

die PJane



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