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Gesundheit – 27.05.2016

Warum Katarakt und Hautkrebs häufiger links auftreten

Melanome und andere Hautkrebse treten laut einer US-Studie auf der linken Seite häufiger auf als auf der rechten. Ein ähnlicher Trend wurde in Finnland für den grauen Star gefunden. In Australien ist es genau anders herum. Solare Keratosen wurden dort in einer Studie von Dermatologen rechts häufiger diagnostiziert als links, insbesondere bei Männern. 

Brian Boxer Wachler, ein Augenarzt aus Beverly Hills/Kalifornien, glaubt jetzt, die Ursache gefunden zu haben. Automobilhersteller sind verpflichtet, ihre Wind­schutzscheiben mit einem UVA-Schutz auszustatten. Tatsächlich blockierten die Windschutzscheiben von 29 Automobilen, die Wachler untersuchte, der Reihe nach 95 bis 98 Prozent des UVA-Lichts. Für die Seitenfenster gibt es keine gesetzliche Vorgaben. Folglich gab es große Unterschiede im UVA-Schutz. Nur vier Modelle blockierten mehr als 90 Prozent des UVA-Licht. Der Durchschnitt lag nur bei 71 Prozent. Die Luxus-Autos aus Deutschland schnitten übrigens am schlechtesten ab. Schlusslicht war ein Mercedesmodell aus dem Jahr 2009, dessen Seitenfenster nur 44 Prozent des UVA-Lichts zurückhielten.

Die Beweislage ist alles andere als stichhaltig. Die Qualität der epidemiologischen Studien ist eher schwach. Es handelt sich um Randnotizen und Kuriositäten. Und auch Wachler macht nach Ansicht der Kommentatorin Jayne Weiss von der LSU Health New Orleans School of Medicine nur ungenaue Angaben zu seinen Messmethoden. Die Messergebnisse und die epidemiologischen Befunde passen aber zusammen. Denn in den meisten Ländern befinden sich die Lenkräder links, in Australien dagegen rechts. Da dort – zum Zeitpunkt der Untersuchung von 1986 jedenfalls – Männer häufiger am Steuer saßen als Frauen, war die Lateralität bei ihnen ausgeprägter. Da Melanome keine banale Erkrankung sind und Katarakte im Alter sehr häufig, wäre die Sache es wert, genauer untersucht zu werden.


Leserkommentare

dr.med.thomas.g.schaetzler am Mittwoch, 1. Juni 2016, 10:37
Lateralisation von "Katarakt und Hautkrebs"?
Dermatologen der Robert-Debré-Klinik in Reims/Frankreich wollten am Beispiel von Melanom-Risiken bei älteren Männern und Frauen geschlechtsspezifisch Seiten-Unterschiede belegen.

Sie fanden heraus, dass beim malignen Melanom linke Arme von Männern etwas häufiger betroffen sind, als linke Frauenarme. Genderspezifische Autofahrer-Gewohnheiten sollten als Erklärungsmodell herhalten, um auffällige anatomische Verteilungsmuster beim kutanen malignen Melanom zu belegen.
Chevalier, V. et al. Comparison of Anatomic Locations of Cutaneous Melanoma in Men and Women: A Population-Based Study in France. Br J Dermatol 2014, online 11. April; doi: 10.1111/bjd.13052
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bjd.13052/full
Hals- und Kopfmelanome würden bei Männern bevorzugt links- und bei Frauen rechtseitig auftreten.

Bekannt ist, dass sich der schwarze Hautkrebs bei Männern häufiger am Rumpf, bei Frauen eher an den Beinen manifestiert. Im Sommer bewegen sich Männer schon mal mit nacktem Oberkörper, während Frauen eher einen Rock anziehen. Bei den Schlussfolgerungen wurde neben einer Reihe von typisch männlich-weiblichem Verhalten auch die Lichtexposition in Autos als Erklärungsmuster bemüht ["... photo-exposure in cars could explain these results."]

Aber wie soll man im Detail geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Tumorlokalisation mit Autofahren, Linkslenkung, Rechtsverkehr und Beifahrergewohnheiten begründen? Wenn bei Linkslenker-Autos im Rechtsverkehr in Frankreich die sonnenbeschienene linke Fahrerseite für die Männer entscheidenden Einfluss auf deren Melanom-Prävalenz und Inzidenz hat, müssten diese doch von Sonnenaufgang bis zum Mittag immer in s ü d l i c h e , und vom frühen Nachmittag bis zum Sonnenuntergang immer in n ö r d l i c h e Richtungen fahren.

Denn sind selbst-lenkende Männer vormittags in nördlichen Richtungen unterwegs, liegt ihre linke Fahrerseite im S c h a t t e n; wenn sie nachmittags in südliche Richtungen fahren, ebenso.

Bei möglicherweise traditionell beifahrenden Frauen und Rechtsverkehr bzw. Linkslenkung müssten diese entweder als Beifahrerinnen immer mit geschlossenen Fenstern mitfahren, oder aber bei offenem Beifahrerfenster morgens bis mittags in südlicher und nachmittags bis abends in nördlicher Richtungen unterwegs sein. Nur dann sind sie auf der Schattenseite vor Melanomrisiken durch intensivierte Sonneneinstrahlung geschützt.

In Australien mit Linksverkehr und Rechtslenkung haben in nördlichen Richtungen Fahrende von Sonnenaufgang bis Mittags die Sonne auf ihrer Fahrer-Seiten-Fensterseite. Dagegen müssen in südliche Richtungen Fahrende von Nachmittags bis Sonnenuntergang mit erhöhter Sonneneinstrahlung bei offenem Seitenfenster rechnen. Australische Beifahrer/-innen erleben das umgekehrt, unter der Voraussetzung, dass das Beifahrer-Seitenfenster auch geöffnet ist.

Denn Verbundglas-Frontscheiben in Autos filtern bis zu 95 Prozent des auftreffenden UV-Lichtanteils. Und selbst wenn die Seitenscheiben einen geringeren Lichtschutzfaktor aufweisen, wie in "Assessment of Levels of Ultraviolet A Light Protection in Automobile Windshields and Side Windows" von B. S. B. Wachler in
http://archopht.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2522190
dargelegt, sollten sie Hautkrebs- und Katarakt-Risiken eher doch mindern können, als häufig offene Seitenfenster.

Zur Verringerung von Katarakt- und Melanomrisiken wäre die Fahrt mit eingeschalteter Klimaanlage und geschlossenen Fenstern empfehlenswert. Wenn man/frau nicht danach zum Ausgleich häufiger ungeschützt auf die Sonnenbank gehen oder am Strand liegen würden.

Melanom-Probleme beim Cabrio-Fahren oder mit geöffnetem Schiebedach harren noch wissenschaftlicher Aufdeckung. Wer allerdings mit Rechtslenkung den Nordpol im U h r z e i g e r s i n n eng umkreist hat zwei entscheidende Vorteile. 1. eisigen Südwind aus allen Richtungen 2. Niemals Sonneneinstrahlung auf der Fahrerseite.

Am Südpol läuft das mit Linkslenker-Fahrzeugen so: G e g e n den Uhrzeigersinn eng umkreisen. Dann liegt die Fahrerseite immer im Schatten! Aber Vorsicht, Autofenster schließen. Am Südpol weht unabhängig von der eigenen Position immer ein eisiger Nordwind.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Vgl.: http://news.doccheck.com/de/blog/post/1364-fundstueck-der-woche-melanomrisiken-beim-autofahren-in-der-sonne/


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