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Gesundheit – 02.05.2016

Verdünnter Apfelsaft hilft bei Kindern gegen Durchfall

Salzstangen und Cola. Wegen der Gefahr einer durch den hohen Zuckergehalt ausgelösten osmotischen Diarrhö (und vielleicht auch wegen der durch das Koffein verkürzten Transitzeit im Darm) ist dies keine gute Idee bei Durchfallerkrankungen - schon gar nicht bei Kindern. Mittel der Wahl ist eine orale Rehydration mit einer abgestimmten Konzentration von Glukose und Elektrolyten. Kleine Kinder mögen diese Getränke meistens nicht. Im Krankenhaus fällt deshalb häufig die Entscheidung zu einer intravenösen Flüssigkeitszufuhr.

Ein guter Kompromiss ist ein mit der gleichen Menge Wasser verdünnter Apfelsaft und später ein Süßgetränk nach dem Geschmack des Kindes. Diese Strategie hat sich auf der Notfallaufnahme einer kanadischen Kinderklinik bewährt. Im Rahmen einer randomisierten Studie wurden 647 Kleinkinder (mittleres Alter 28 Monate; 68 Prozent ohne Hinweis auf die Dehydration) mit 2 Litern einer Lösung versorgt.

Sie enthielt entweder eine kommerzielle Glucose-Elektrolyt-Lösung oder eine Mischung aus (je zur Hälfte) Apfelsaft und Wasser. Die orale Rehydration wurde auf der Notfallaufnahme begonnen und zu Hause von den Eltern fortgesetzt. Die Glucose-Elektrolyt-Lösung war mit einem Apfelaroma versetzt, um eine Zuordnung zu der Therapie zu erschweren.

Der primäre Endpunkt der Studie war ein Therapieversagen. Als solches wurde gewertet, wenn die Kinder in den folgenden 7 Tagen eine intravenöse Rehydration erhielten, im Krankenhaus behandelt wurden, einen ungeplanten Arztbesuch hatten oder unter anhaltenden Symptomen litten, die Studiengruppe gewechselt hatten oder mehr als 3 Prozent an Körpergewicht verloren. Dies war, wie Stephen Freedman vom der Universität Calgary berichtet, in der Gruppe, an die verdünnter Apfelsaft ausgegeben wurde, in 17 Prozent der Fall gegenüber 25 Prozent der Kinder, die die medizinische Glucose-Elektrolyt-Lösung erhalten hatten. Der Anteil der Kinder, die eine intravenöse Rehydration erhielten, war sogar um mehr als zwei Drittel geringer (2,9 Prozent versus 9 Prozent). 

An der Studie nahmen nur Kinder über 6 Monate teil. Sie durften lediglich an einer milden Dehydration leiden. Bei kleineren Kindern und bei jeglichem Zweifel sollten die Eltern zunächst den Kinderarzt kontaktieren. Grundsätzlich sollte das Kind so viel trinken wie es durch den Durchfall oder das Erbrechen verloren hat. In der Studie wurden alle Kinder mit Erbrechen mit Ondansetron behandelt. Das Antiemetikum ist in Deutschland verschreibungspflichtig.



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