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Gesundheit – 06.04.2016

Kann Cannabis dem Fötus schaden?

Der zunehmende Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken und als Freizeitdroge wird zweifellos dazu führen, dass Schwangere ihr ungeborenes Kind exponieren. Im Internet findet sich sogar die Empfehlung, Cannabis sei ein probates Mittel gegen die Schwangerschaftsübelkeit (was allerdings eine Schädigung des Kindes nicht ausschließt, schließlich war auch Thalidomid ein „effektives“, aber leider auch höchst teratogenes Antiemetikum).

Die Frage, ob ein Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft sicher ist, kann derzeit wohl nicht beantwortet werden. Eine Meta-Analyse von John Ehiri vom Mel and Enid Zuckerman College of Public Health in Tucson, Arizona, weist jetzt auf gewisse intrauterine Wachstumsstörungen hin. Die exponierten Kinder hatten ein um etwa 100 Gramm niedrigeres Geburtsgewicht. Das Risiko auf ein geringes Geburtsgewicht war um 77 Prozent erhöht.

Dies ist durchaus ein ernstzunehmendes Risiko, da ein niedriges Geburtsgewicht die Startchancen der Kinder verschlechtert. Untersuchungen zeigen eine Assoziation mit einer gestörten neurokognitiven Entwicklung und schlechteren schulischen Leistungen. Die Kinder von Cannabis-konsumierenden Müttern haben auch ein um den Fakir 2,02 erhöhtes Risiko, die ersten Tage ihres Lebens auf der Intensivstation zu verbringen. Wie immer in epidemiologischen Studien könnten diese Nachteile auch auf andere Faktoren zurückzuführen sein, die im allgemeinen Gesundheitszustand der Schwangeren und ihrer sozialen Lage zu suchen sind.


Leserkommentare

Dr.Bayerl am Samstag, 28. Mai 2016, 15:18
..... weil der Cannabis-Konsum DEUTLICH zugenommen hat,
lesen Sie keine Zeitung, Kollege?
kairoprax am Donnerstag, 7. April 2016, 12:33
der Einsatz von Cannabis nimmt nicht zu - wieso dann Embryonalschäden?

Wir, die Spät-68er, haben sicher ein weniger distanziertes Verhälnis zum Cannabis. Und weil sich ein Patient nicht unbedingt hüten mußte, einen Cannabis-Konsum "zuzugeben", können wir auch konstatieren, daß der Konsum sich über die letzten 40 Jahre recht konstant gehalten hat, sicher bei irgendwo zwischen 10 und 25 %. Wären Embroynalschäden aufgetreten, wie das ja bei rauchenden und alkoholkranken Müttern ohne jeden Zweifel bewiesen ist, dann wäre das ins Auge gesprungen. So ist es aber nicht. Man sollte die richtigen Schuldfragen stellen. Marlboro ist kein Cannabisprodukt, Thalidomid ist nicht THC.
Die Frage, ob Cannabis dem Fötus schade ist eine politisch motivierte Frage und basiert nicht auf medizinischen Erkenntnissen, und aus einer Metaanalyse mit dem Ergebnis von 100 Gramm weniger Geburtsgewicht kann man nur schließen, daß das Geburtsgewoicht variieren könnte - a) tut es das? und b) ist das ein Schaden, wenn es so wäre?

Dr.Karlheinz Bayewr, Bad Peterstal


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