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Das lange Warten – 03.04.2016

Schwere Entscheidung

Paul Behrend geht es nicht gut. Er musste einen weiteren Rückschlag hinnehmen. „Schon seit längerem habe ich aufgrund der langen Dialysephase mit verkalkten Gefäßen zu kämpfen – und auch mit den Beckengefäßen, also den Gefäßen, an die meine neue Niere angeschlossen werden soll“, berichtet er.

Jetzt habe er auf eigene Veranlassung ein CT der Beckengefäße anfertigen lassen, weil das letzte CT noch aus der Zeit vor seinem Schlaganfall gestammt habe. „Damals hatte man noch eine Lücke für den Anschluss der Niere gefunden.“ Das neuerliche CT war dann allerdings eine Enttäuschung für Behrend: „Das war ein negativer Befund. Der Chirurg teilte mir mit, dass er eine Transplantation nur noch dann für möglich halte, wenn mir ein Gefäßchirurg einen Bypass legen würde. Diese Operation ist aber bei verkalkten Gefäßen nicht ohne Risiko und würde bedeuten, dass ich weitere vier bis fünf Monate nicht transplantationsfähig wäre.“

Inzwischen hält Behrend es für möglich, dass es gar nicht mehr zu einer Transplantation kommt. Er will aber auf Vermittlung seiner Nephrologin eine Zweitmeinung bei einem weiteren Chirurgen einholen, von der er allerdings ausgeht, dass diese ebenfalls negativ ausfällt. „Dann könnte ich außerdem auch noch mal ein Gespräch mit einem Gefäßchirurgen suchen, an dessen Anschluss ich dann meine endgültige Entscheidung treffen muss.“

Doch seine Bereitschaft, im Vorfeld auf eine mögliche Transplantation eine weitere schwere Operation hinzunehmen, tendiere im Moment gegen null. Auf der anderen Seite sei es ihm aber auch unter der Dialyse sukzessive immer schlechter gegangen. „Ich habe diese massive Polyneuropathie und die Gefäßverkalkung, die mir auch ohne Transplantation nicht gerade zu einem längeren Leben verhilft.“

Und wie hat seine Nephrologin auf die CT-Ergebnisse reagiert? Sie habe sich darüber aufgeregt, wie in Deutschland die Nierentransplantation geregelt sei, so Behrend. Die lange Wartezeit führe dazu, dass die Patienten oft viel zu spät transplantiert werden könnten. „Die Ärzte leiden eben mit ihren Patienten, aber auf der anderen Seite können sie mir das Risiko auch nicht abnehmen.“

Dennoch: Behrend hofft, dass ihm ein Gefäßchirurg doch noch eine weitere Perspektive aufzeigen kann.


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