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Vom Arztdasein in Amerika – 22.03.2016

Pecunia est nomen

Ich arbeite aktuell im Sanford Gesundheitssystem („Sanford Health“) und bin bald an der Vanderbilt Universität tätig – was haben beide Gesundheitssysteme miteinander gemeinsam?

Auf dem ersten Blick nicht viel, doch bei näherer Betrachtung – gerade auch des Namens – erkennt man ein Leitmotiv, das sich wie ein goldener Faden durch das US-System und auch Gesundheitssystem zieht: Geld regiert die Welt. Die Vanderbilt Universität wurde von einem der reichsten Menschen des 19. Jahrhunderts, Cornelius Vanderbilt, finanziell beschenkt und letztlich damit die Gründung ermöglicht. Das Sanford Gesundheitssystem erhielt im Jahr 2007 ein Geldgeschenk über 400 Millionen US-Dollar von Denny Sanford und benannte sich als Folge dessen von „Sioux Valley Health System“ in „Sanford Health“ um.

Es mag aus meiner US-Sicht banal wirken, dies anzusprechen: Aber in den USA dominiert das Geld die gesamte Gesellschaft, ob im Gesundheitsbereich, im Wahlkampf, in der Öffentlichkeit und selbst im Mikrokosmos der Familie und unter Freunden – als erfolgreich und beliebt zählt, wer besonders viel Geld hat.

Auch wer wie ich gerne Denkmäler und Statuen untersucht, ist enttäuscht, dass bei den meisten als Inschrift vor allem aufgeführt wird, wer wieviel Geld für das Denkmal ausgegeben hat, statt einer selbstlosen Inschrift, die dem Motiv oder Anlass des Denkmales gewidmet ist. Der Spender erwartet (überbordende?) Dankbarkeit, im Fall des Sanford Gesundheitssystem also eine Umbenennung in eine nach dem noch lebenden Milliardär und Einflußnahme durch ihn und seine Erben. Es zählt das Motto: „Pecunia est nomen“, „Geld ist Name“.


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