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Gesundheit – 24.02.2016

Zikavirus: Forscher veröffentlichen Ergebnisse in Echtzeit

Die Erforschung des Zikavirus ist ein Rennen gegen die Zeit. Während die Epidemie sich in Südamerika ausbreitet, geht es darum, wichtige Fragen zur Pathogenese zu klären und möglichst rasch einen Impfstoff zu entwickeln. Dabei gilt es keine Zeit zu verlieren. Dies wirkt sich auch auf die Publikation von Forschungsergebnissen aus.

Für ein ausführliches Peer-Review, bei dem unabhängige Gutachter die Qualität und Publikationswürdigkeit beurteilen, bleibt zunächst keine Zeit. Forscher der Universität von Wisconsin in Madison haben begonnen, die Zwischenergebnisse wie in einem Blog im Internet zu veröffentlichen. Derzeit können Forscher aus anderen Labors aber auch interessierte Laien verfolgen, wie drei Rhesus-Affen auf eine absichtliche Infektion mit dem Virus reagieren. Die Seite fängt auch die Kommentare und Anregungen anderer Forscher auf.

Zu den brennenden Fragen gehört derzeit, wie schnell sich das Virus im Körper ausbreitet und wann es bei Schwangeren die Plazenta-Schranke überwindet und in welchen Phasen der Schwangerschaft die Frucht geschädigt werden kann. Solange kein Impfstoff zur Verfügung steht, könnten sich daraus wichtige Informationen für schwangere Frauen ergeben, die während der vulnerablen Phase die Reise in Endemieländer vermeiden, oder wenn sie dort leben, sich intensiv vor Insektenstichen schützen könnten.

Schon während der Ebola-Epidemie hatten einige Forscher begonnen, ihre Forschungsergebnisse vor der Publikation auszutauschen. Die Online-Präsentation der Experimente stellt hier eine weitere Beschleunigung dar. Ob sie schneller zu verwertbaren Ergebnissen führt, bleibt abzuwarten.


Leserkommentare

EEBO am Freitag, 26. Februar 2016, 19:56
Ehrlich gesagt, langweilt es mich,
eine Diskussion über das Thema erneut zu beginnen, nachdem es sich im Forum totgelaufen hat - zunächst wurde Glyphosat angeprangert, jetzt Pestizide im allgemeinen. Ohne jeglichen vernünftigen Beleg...
Staphylococcus rex am Donnerstag, 25. Februar 2016, 23:00
Ockham’s Rasiermesser
Ist ein ganz brauchbares Instrument zur Bewertung wissenschaftlicher Hypothesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ockhams_Rasiermesser

In Bezug auf Zikaviren, wie ist da der Stand?
Wir haben die Abweichung, sprich Mikrocephalien.
Wir haben ein Muster: Zahlreiche Mütter haben klinische oder labordiagnostische Zeichen einer Infektion in der Frühschwangerschaft.
Es fehlt bisher eine schlüssige Hypothese zur Pathogenese und es fehlt der experimentelle Beweis im Tierversuch (offensichtlich wurden entprechende Experimente bereits begonnen): http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65848/Mit-einem-Impfstoff-rechne-ich-erst-in-einigen-Jahren

In Bezug auf Pflanzenschutzmittel sind die Muster (Korrelationen) aus meiner Sicht weniger zwingend. Es fehlen allerdings auch Daten zur Konzentration dieser Stoffe im Blut der Schwangeren, im Fruchtwasser und im Körper der geschädigten Kinder. Aufgrund der frühen Fixierung auf Zika ist die Datenlage für alternative Hypothesen leider wesentlich dünner. Hinsichtlich möglicher Vorschläge zum Pathomechanismus und experimenteller Bestätigung, sehe ich derzeit keinen Vorteil für die Hypothese Pflanzenschutzmittel.

Die statistischen Daten dürften sich in den nächsten Monaten verbessern. Bisher sind vor Allem die Armenviertel betroffen, die Kausalkette Armut, Müll, Pfützen und Mücken ist trivial. Wenn es Pflanzenschutzmittel wären, dann sollten Dörfer in der Nähe großer Plantagen stärker betroffen sein als die Armenviertel. Außerdem hinterlässt Zika-Virus wahrscheinlich eine langanhaltende Immunität. Die Zahl der Neuinfektionen dürfte zumindest regional bald sehr stark sinken. Wenn die Zahl der Fälle an Mikrocephalie nicht nur mit dem zurückliegenden Anstieg, sondern auch mit dem kommenden Abfall der Virusinfektionen korreliert, wäre dies zusätzlich ein ganz starker Hinweis auf eine Kausalität.

Über die möglichen Ursachen der Fruchtschädigung macht sich sicher jeder seine eigenen Gedanken: Wir sollten nicht vergessen, das Zika-Virus hat seinen Ursprung im afrikanischen Grabenbruch, also genau dort, wo die Menschheit entstanden ist. Es ist aus meiner Sicht eine berechtigte Annahme, dass die Spezies Mensch während ihrer gesamten Entwicklung Kontakt zu diesem Virus hatte, dass also das Zika-Virus DEN Prototyp eines Flavivirus aus Sicht eines menschlichen Immunsystems darstellt. Im Vergleich zu anderen Flaviviren ist die Symptomatik (bei Erwachsenen) bei Zika-Virus geradezu lächerlich, wahrscheinlich hat die Menschheit ihren Blutzoll bereits vor Millionen von Jahren entrichtet.

Angenommen, wir tragen in unseren Genen eine effektive Abwehr, was macht das Zika-Virus in unseren Zellen? Werden die Zellen durch das Virus zerstört? Werden befallene Zellen durch die Abwehr attackiert? Oder gehen befallene Zellen in die Apoptose, bevor sich das Virus effektiv vermehren kann? Das ist jetzt natürlich nur meine ganz private Meinung, aber ich vermute, dass die Apoptose in der Abwehr des Zika-Virus eine ganz wichtige Rolle spielt. Angenommen, bei einer Virusausbreitung im ZNS kommt es zu einer Apoptose der Gliazellen, dann könnte dies sowohl die Mikrocephalien als auch die Guillain-Barre-Fälle erklären. Noch dazu die Tatsache, dass nach der Geburt im Gehirn der betroffenen Kinder kein Virus mehr nachweisbar ist. Die Literatur liefert dazu allerdings nur wenig Daten:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/5002906
Aber immerhin scheinen auch Andere diese Idee zu teilen:
http://www.acin.org/new/pdfs_2016/zica/1-s2.0-S1286457916000083-main.pdf

Aus diesem Grund bin ich besonders gespannt auf immunhistochemische Details, also nicht nur auf den prinzipiellen Nachweis von Zika-Virus im Gehirn, sondern auch auf die Frage, welche Zelltypen besonders betroffen sind und welche Konsequenzen dies für die betroffenen Zellen hat.

Angenommen, die Hypothese Zika-Virus wird endgültig bestätigt, dann wäre dies das Aus für die Hypothese Pflanzenschutzmittel. Das würde aber nicht bedeuten, dass diese Mittel harmlos sind, sondern lediglich, dass sie für diese spezielle Schädigung nicht verantwortlich sind. Also egal, wie diese Diskussion letztendlich ausgeht, wir sollten die Verwendung von Glyphosat durchaus kritisch betrachten, da auch unsere einheimischen Lebensmittel betroffen sind:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/glyphosat-in-bier-brauer-bezeichnen-pestizid-vorwuerfe-als-absurd-a-1079283.html
kairoprax am Mittwoch, 24. Februar 2016, 22:48
noch ist die Ätiologe der Mikroenzephalien unklar.

Wir reden bereits über Impfungen und wissen weder wann, noch wissen wir ob das Zika-Virus die Mikroenzehalien verursacht haben.

Die statistischen Rohdaten lassen eher Zweifel aufkommen.
Die Meldungen aus Brasilien und Argentinien lassen Alternativen aufkommen, insbesondere die Möglichkeit, daß Pflanzenschutzgifte die schweren Hirnschäden verursacht haben können.

Wir vergallopieren uns in einem möglicherweise unzutreffenden Impfaktionismus unter einem womöglich falschen Ätiologie-BIAS


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