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Pflegers Schach med. – 28.01.2016

Parkinson in Schach halten

Jahrelang konnte Dr. med. Helmut Schröder, der an Parkinson erkrankt war, nicht mehr am Deutschen Ärzteschachturnier teilnehmen, und es war zu befürchten, dass er gar nicht mehr käme. Doch auf einmal die freudige Mitteilung, dass er im Frühjahr 2015 wieder dabei sein wolle. Was war geschehen? Nach Anlage einer tiefen Hirnstimulation hatte sich sein Befinden so sehr gebessert, dass er den „Kampf auf den 64 Feldern“ wieder aufnehmen konnte.

Gesagt – getan.

Dr. Schröder brachte auch sein zusammen mit seiner Frau Tamara verfasstes Buch Leben mit Parkinson mit dem Untertitel Achterbahn für Fortgeschrittene mit, in dem ein Kapitel „Parkinson in Schach halten“ überschrieben ist. Mit dieser Überschriftmetapher zielt er allerdings nicht auf geschickte Schachzüge hin, mit denen sich die Krankheit aufhalten ließe, sondern erklärt leicht verständlich, für Ärzte und Laien gleichermaßen, die Wirkmechanismen der verschiedenen Medikamente.

Dies gelingt ihm auch deswegen überzeugend, weil er als Psychiater und Psychotherapeut sich mit 49 Jahren plötzlich auf der „falschen Seite“ wiederfand. Sein ausliegendes Buch war beim Turnier unter den Ärzten jedenfalls viel begehrter als die mittelalterliche Darstellung "Der Arzt im Schachspiel". Ein ewiger Ladenhüter, dessen sich nur der zu Besuch weilende Präsident des Deutschen Schachbunds, Herbert Bastian, erbarmte.

Frank und frei schildert Dr. Schröder seine „Patientennöte“ mit Panikattacken und teils schweren „Off-Zuständen“, die seit 17 Jahren sein Leben beeinträchtigen und durch sein Fachwissen nicht unbedingt gemildert werden. Letztendlich ist es ein Geworfensein auf den Urgrund menschlichen Seins – conditio humana!

Seine Frau Tamara kommt auch immer wieder zu Wort und schildert aus ihrer Sicht die vielen alltäglichen Probleme, die sie, ihn und sie beide zusammen des öfteren an die Grenze der Belastbarkeit bringen und brachten, aber letztlich sogar die ohnehin stets enge Beziehung noch inniger werden ließen. Ihr sei auch das letzte Wort gegeben: „Helmut und ich spielen sehr gern und fast täglich Schach.... An warmen Abenden spielen wir auf unserem Balkon und genießen dabei die Sommerluft und das Zwitschern der Vögel. Das ist die reinste Idylle.“

Wir freuen uns jedenfalls, dass das Ehepaar Schröder wieder dabei ist, um Türme zu fesseln und Bauern zu erobern und dergleichen mehr!


Leserkommentare

Pulcher am Sonntag, 14. Februar 2016, 09:31
Parkinson
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Ich glaube sagen zu können, dass ein "von Krankheit betroffener" Arzt der bessere Arzt ist, denn ihm gelingt ein noch besseres Verständnis seiner Patienten. Hoffen wir, dass die Krankheit dabei nicht so schlimm ist, dass er unseren schönen Beruf noch ausüben kann!

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