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Gesundheit – 14.12.2015

Computer können Arzt-Patien­ten-Verhältnis stören

Praxiscomputer haben die ärztliche Arbeit zweifellos erleichtert. Während die Mediziner früher oft in einem Berg von Akten nach den Untersuchungsbefunden kramen mussten, können sie heute per Mausklick schnell Röntgenbilder und Laborbefunde auf den Bildschirm zaubern. Nach anfänglichen Widerständen haben die meisten Ärzte akzeptiert, dass die elektronische Krankenakte vielerlei Vorteile gegenüber dem handschriftlichen Gekritzel in den analogen Unterlagen bietet.

Einige laufen dabei Gefahr, ihre Patienten aus dem Auge zu verlieren. Nicht wenige Ärzte neigen dazu, dem Patienten nach der Begrüßung zunächst den Rücken zuzukehren, beklagt der Soziologe Richard Franken vom Regenstrief Institute in Indianapolis. Viele halten auch während des Patientengesprächs den Blickkontakt nicht zu der Person, die ihnen gegenüber sitzt, sondern schielen immer wieder auf den Bildschirm.

Die Quittung erhielten die Mediziner in einer Untersuchung der Universität von San Francisco. Neda Ratanawongsa und Mitarbeiter haben Arzt-Patienten-Kontakte gefilmt und die Patienten später nach ihrer Zufriedenheit befragt. Ärzte mit geringer Computernutzung erhielten die besten Noten. Die Patienten waren zu 83 Prozent mit der Behandlung sehr zufrieden. Bei den Ärzten mit hoher Computernutzung fiel die Rate auf 48 Prozent ab. Wenn der Arzt sich mehr dem Computer als seinem Patienten zuwendet, verliert sein Engagement an Authentizität, kritisiert Ratanawongsa. Multitasking zwischen Patient und Praxisrechner könnte verhindern, das sich eine tiefere Verbindung zwischen Arzt und Patient ausbildet.



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