72/558

Gesundheit – 12.11.2015

Smartphone ersetzt Stethoskop

Hat das „gute alte“ 1816 von René Laënnec entwickelte Stethoskop, das seit zwei Jahrhunderten ständiger Begleiter und Erkennungszeichen des Arztes war, ausgedient? Zumindest in der alten Form dürfte es bald vom Mikrophon des Smartphones abgelöst werden. Das Smartphone selber muss der Arzt nicht auf die Brust seiner Patienten halten. Praktischer sind kleine Mikrophone, die über ein Kabel mit dem Taschen­computer verbunden werden.

Der Kardiologe David Bello von Orlando Health in Florida hat ein Modell entwickelt, das in der Lage ist, Herz- und Carotisgeräusche auf dem Bildschirm darzustellen. Das Ergebnis der Auskultation lässt sich abspeichern und auf den Praxiscomputer übertragen. Das erleichtert die Dokumentation und ermöglicht demnächst wohl auch diffizilere Auswertungen der akustischen Phänomene.

Bello darf sein Gerät zwar noch nicht für Ärzte anbieten. Seine Webseite verzichtet bewusst auf jede medizinische Anwendung. Adressaten sind Kinder, Schwangere und Sportler. Doch eine erste Studie, deren Ergebnisse jetzt auf der Jahrestagung der American Heart Association vorgestellt wurde und die demnächst im Journal of Mobile Technology in Medicine publiziert wird, zeigt, dass das Gerät durchaus kardiologische Ansprüche erfüllt.

Ärzte untersuchten in der Studie 50 Patienten und verglichen die Leistung des Smartphones mit zwei von der FDA-zugelassenen Klasse I und Klasse II- Stethoskopen sowie einem aus hygienischen Gründen in den USA häufig verwendeten Einwegmodell.

Ergebnis: Das Smartphone-Gerät kann Herz- und Carotisgeräusche ebenso gut wie die häufig verwendeten Klasse I und Klasse II-Stethoskope vermitteln. Die Einmal-Stethoskope fielen bei dem Test dagegen durch. Mit ihnen übersahen die Ärzte 43 Prozent der Herz- und 75 Prozent der Carotisgeräusche! Diese Geräte sind nach Einschätzung von Bello nicht für den medizinischen Einsatz geeignet.

Die Smartphone-Stethoskope dagegen waren den professionellen Stethoskopen gleichwertig. Sie sind zudem günstiger. Bello bietet das Gerät für knapp 50 US-Dollar an, die App ist für iOS und Android-Software kostenlos. Bleibt abzuwarten, ob die FDA eine Zulassung erteilt und der Kardiologe das Gerät neben Kindern, Schwangeren und Sportlern auch seinen Kollegen anbieten darf.



Bookmark-Service:
72/558
Gesundheit
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika