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PJane – 07.07.2015

PJ- Mobilität: Wir sind dann mal weg!

Die PJ- Mobilität, also die Freiheit, uns für ein PJ- Tertial an einer beliebigen anderen deutschen Universität mit dem Studium Humanmedizin und entsprechend vorhandenen Lehrkrankenhäusern zu bewerben, ist großartig.

Sie ermöglicht uns die eigenständige Wahl des Ausbildungsortes im letzten, dem „praktischen Jahr“. Foren machen es einfach, zu recherchieren, zu vergleichen und nebenbei noch private Gründe in die Entscheidung einfließen zu lassen.

Natürlich ohne Platzgarantie und einem – euphemistisch gesagt – ohne einen dafür eigens eingestellten Privatsekretär dezent aufwendigem Bewerbungsverfahren, in welchem je nachdem Rangfolgen erstellt, eigene Onlinekonten vergeben, verschiedene Einschreibetermine respektive Uhrzeiten genannt und in diversen Modi zelebriert werden, aber: Immerhin. Wir haben die freie Wahl (der Bewerbung).

Das birgt zahlreiche Vorteile, angefangen zum Beispiel mit der Möglichkeit, auf ein für seine gute Qualität der Lehre bekanntes Krankenhaus zurückgreifen zu können, obwohl es nicht im geographischen Radius der Heimatuniversität steht. Neue Gesichter kennenzulernen, den Duft neuer Städte zu atmen, nach all dem Lernen für das schriftliche Examen einen Tapetenwechsel zu erfahren.

Es ist spannend, woanders neu anzufangen. Es bereichert, diese Quintessenz ergibt sich ganz einfach aus der Tatsache, dass Menschen in verschiedenen Regionen Deutschlands ein unterschiedliches, durch ihren eigenen Lokalkolorit geprägtes, Naturell aufweisen. Das nämlich ist verglichen mit den kleinen Unterschieden der täglichen Abläufe und verschiedenen Wörtern („Viggo“ – „...?“ – „Flexüle?“ – „Ach so!“) die wahre Herausforderung.

Zu verstehen, dass man mit einem nordischen „Moin!“ schon genau so viel gewonnen hat wie mit einer herzlichen Umarmung des Rheinländers. Dass man irgendwo am Ende der Welt wohnt – aber bitte nur die Einheimischen und dreifach verschwägerten Einwohner das Offensichtliche aussprechen dürfen, nie ein Zugezogener.  Es sei denn, man bettet in diese Aussage einen Nebensatz ein, der aber- mindestens!- die einzigartige Natur der Umgebung lobt.

Dass an manchen Orten eher die Kultur herrscht, dass Vorschrift Vorschrift ist und niemals nie gebrochen wird (einer meiner persönlichen pet peeves) während anderswo ein kultiviert liberaler Entscheidungsstil gelebt wird.

Selbstredend ist das alles wie eine Runde Glücksrad: Abhängig von der Tagesform des jeweiligen Mitarbeiters, anderen Zufällen und: Nicht planbar. Bewertungen und Erfahrungen helfen, aber wen wir dann letztlich vor Ort antreffen, können wir nicht sicher sagen.

Trotz dieser natürlich vorhandenen Inhomogenität innerhalb auch bereits einer Region kann man bestimmte Eigenheiten der unterschiedlichen Gegenden in Deutschland nicht leugnen. Sie erst verleihen den Orten ihr Gesicht.

Das ist gut so!

Es ist auch:

- Anstrengend:

Sagen, wo ich herkomme? Bekomme ich dann direkt meinen regionalen

„Stempel“ aufgedrückt? (wir spielen lustiges Memory der Vorurteile...).

- Ein Luxusproblem: Wir dürfen wählen, wohin wir gehen wollen. Dass wir wissen, dass 

  dies ein Privileg ist, das jetzt auch in der Ausbildungsordnung eines weitestgehend 

  stark verschulten Studienganges verankert wurde, ist mir wichtig klarzustellen.

Und doch:

Irgendwann, vielleicht am Anfang des letzten Tertials, wenn die Kisten (ja, freiwillig) zum dritten Mal gepackt werden, schleicht sich bei manchen von uns die Sehnsucht an Bord und die Vorfreude: In der Hoffnung, wenn das nächste Mal die Segel gehisst werden, dann erst einmal, um zu bleiben.

Denkend, dass ihr Leben gerade in ein Auto passt, grüßt herzallerliebst – in alle Regionen!

die PJane


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