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Gesundheit – 16.06.2015

Schokolade als Gefäßschutz: Die süßen Lügen der Ernährungsstudien

Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Eine Tafel Schokolade am Tag soll nach einer Analyse der EPIC-Studie vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Und dann dürfte es sogar die süße Milchschokolade sein, die anders als die weniger beliebte Zartbitter­schokolade wenig Kakao und damit kaum Flavonoide enthält. Wer das behauptet, kann sich der Aufmerksamkeit der Medien sicher sein.

Nur ist es eben zu schön, um wahr zu sein. Keine der Assoziationen, die Chun Shing Kwok von der School of Medicine & Dentistry an der Universität Aberdeen präsentiert, erreichte eine statistische Signifikanz. Dabei war die Datenbasis - 20.951 Männer und Frauen einer britischen EPIC-Kohorte – durchaus groß genug, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen.

Kwok bemüht deshalb die Ergebnisse einer Meta-Analyse, die die Daten unterschiedlicher Kohortenstudien vermischt. Überzeugen kann dies nicht, zumal die EPIC-Kohorte einige Hinweise dafür enthält, dass die Angaben in den Fragebögen zur Nahrungsaufnahme nicht stimmen können.

Wie kann es sein, dass die Schokoladenliebhaber (oberste Quintile der Schokola­denzufuhr) trotz einer deutlich höheren täglichen Aufnahme von Kalorien (9.854 Kilojoule versus 7.754 Kilojoule bei den Nicht-Schokolade-Essern) einen vergleichbaren Body Mass Index haben? Macht Schokolade etwa gar nicht dick?

Die einfachste Erklärung für die von Kwok vorgestellten Ergebnisse sind fehlerhafte Angaben in den Ernährungsfragebögen. Süßigkeiten werden in der Regel zwischen den Mahlzeiten, also unregelmäßig verzehrt. Die Erinnerung daran und die Angaben dazu sind nicht sehr verlässlich. Menschen, die aufgrund des Schokoladenkonsums an Gewicht zugenommen haben und erste Zeichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, verdrängen ihre Ernährungssünden zudem häufiger. Diese Verzerrungen können dann schnell die Ergebnisse epidemiologischer Studien verfälschen.



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