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Gesundheit – 13.03.2015

Westafrika: Masern bald schlimmer als Ebola?

Krisen, Kriege und Naturkatastrophen ziehen häufig Seuchen nach sich, wenn das Gesundheitswesen zusammenbricht. Zu den ersten Folgen gehören Masern-Epidemien. Das Virus ist extrem ansteckend und bei einer Unterbrechung von Impfkampagnen steigt die Zahl der nicht-immunisierten Kleinkinder schnell an. Bald ist die kritische Menge für eine Masernepidemie erreicht. Dies war 2012 in Syrien der Fall, aber auch nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahr 1991 kam es zu einer Epidemie. Ebenso während einer politischen Krise in den 1990er Jahren in Haiti oder nach der Hungersnot von 2000 in Äthiopien.

Jetzt befürchtet ein internationales Forscherteam einen Masern-Ausbruch in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Dort ist die Impfquote seit dem Beginn der Ebola-Epidemie um 75 Prozent gesunken. Schon bald wird es dort 1,1 Millionen Kinder im Alter von 9 Monaten bis 5 Jahre geben, die nicht geimpft sind. Das Masernvirus würde hier auf fruchtbaren Boden fallen.

Ein Team um Justin Lessler von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore kommt in Modellrechnungen zu dem Ergebnis, dass im Fall eines Masern-Ausbruchs 227.000 Menschen erkranken können. Von ihnen würden – begünstigt durch das Fehlen einer Krankenversorgung – zwischen 2.000 und 16.000 an der vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit sterben. Das wären dann im ungünstigen Fall mehr Menschen als bisher an Ebola gestorben wären (derzeit etwa 10.000).

Auch die Impfkampagnen gegen Polio, Tuberkulose, Haemophilus influenzae Typ b, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B und Diphtherie haben sich verzögert. Gestört ist auch die Gesundheitsversorgung für Menschen mit Malaria, HIV und Tuberkulose. Der Rückgang der Ebola-Fälle ist deshalb noch lange nicht das Ende der humanen Katastrophe in Westafrika.



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