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Gesundheit – 24.03.2015

Ärzte lassen sich seltener scheiden als andere Berufsgruppen

Aufgrund der langen Arbeitszeiten bleibt vielen Ärztinnen und Ärzten wenig Zeit für Freizeit und Familie. Die Mediziner gelten deshalb als tendenziell unglückliche Menschen und frühere Studien hatten gezeigt, dass die Scheidungsrate höher ist. Dem widerspricht die Auswertung des jüngsten US-Zensus durch die Gesundheitsforscherin Anupam Jena vom Massachusetts General Hospital in Boston. Ihre Analyse zeigt: Ärzte lassen sich seltener scheiden als Angehörige anderer Gesundheitsberufe.

Während 24 Prozent der befragten Ärzte sich jemals scheiden ließ, waren es bei Zahnärzten 25 Prozent, bei Verwaltungsangestellten im Gesundheitsbereich 31 Prozent und bei den Krankenschwestern sogar 33 Prozent. Nur bei Apothekern lag die Scheidungsrate mit 23 Prozent niedriger als bei Ärzten. In nichtmedizinischen Berufen war die Scheidungsrate mit 35 Prozent deutlich höher. Auch hier bildete eine Berufsgruppe, der im allgemeinen eine schlechte familiäre Streitkultur nachgesagt wird, eine Ausnahme: Nur 27 Prozent der Rechtsanwälte gaben in der Volkszählung an, schon einmal geschieden worden zu sein.

Eine weitere Überraschung ist, dass lange Arbeitszeiten das Scheidungsrisiko nicht erhöhen - jedenfalls nicht bei männlichen Ärzten. Kollegen, die es auf mehr als 60 Stunden in der Woche brachten, hatten sogar zu 41 Prozent seltener eine Scheidung erlebt als Kollegen mit einer Wochenarbeitszeit von weniger als 40 Stunden.

Bei den Ärztinnen war es genau anders herum. Bei ihnen stieg mit der Wochenarbeitszeit das Scheidungsrisiko - allerdings nicht linear: Den größten Anstieg (um 34 Prozent) ermittelte Jena für Ärztinnen mit einer Wochenarbeitszeit von 40 bis 49 Stunden. Zu berücksichtigen ist, dass die Scheidungsrate bei Ärztinnen generell um 50 Prozent höher war als bei ihren männlichen Kollegen.

Die Scheidungsrate ist nicht unbedingt der beste Gradmesser für das Eheglück. Er ist anhand der Zensusdaten jedoch relativ einfach zu ermitteln. Jena konnte die Daten von fast 6,5 Millionen Personen auswerten, darunter 48.881 Ärzte, 10.086 Zahnärzte, 13.883 Apotheker und 159.044 Krankenschwestern. Andere Studien haben laut Jena jedoch gezeigt, dass die Zeit mit der Familie Ärztinnen wichtiger ist als Ärzten. Dies könnte ein Grund sein, warum Teilzeitstellen bei Ärztinnen weitaus beliebter sind als bei Ärzten.


Leserkommentare

Patroklos am Freitag, 27. März 2015, 09:54
Amerika.
Es muss wohl heissen:
"amerikanische Ärzte" lassen sich seltener scheiden als andere Berufsgruppen.
Wie es in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen usw. ist, sagt die Studie nicht.


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