81/298

Vom Arztdasein in Amerika – 06.02.2015

Solidarität unter Ärzten

In den USA wurde 2014 die fachärztliche Fortbildungsordnung für Internisten geändert. Details würden die Grenzen dieses Blogs sprengen, aber im Wesentlichen sollte nicht nur eine regelmäßige Teilnahme an Konferenzen und Fortbidlungskursen, die oft hohe zeitliche und finanzielle Kosten mitsichbringen, gewährleistet werden, sondern nun Evaluierungen seitens der Patienten durchgeführt werden.

Hierzu sollten eine bestimmte Zahl an Patienten dem behandelnden Arzt eine Art Zeugnis ausstellen und dieser sollte diese dann gesammelt an die ärztliche Kammer senden. Das alles sollte vom behandelnden Arzt organisiert und durchgeführt werden. Weiterhin soll­ten bestimmte Module und Fortbildungseinheiten in regelmäßgien Abständen abgear­beitet werden – ein deutlich erhöhter Aufwand im Gegensatz zum Status Quo von 2013 und den Jahren davor. Für den wirklich Interessierten verweise ich auf folgende Inter­netseite: http://www.abim.org/maintenance-of-certification/policies.aspx.

Diese Änderungen haben sehr viel Unmut mit sich gebracht weil sie einen hohen zusätzlichen Aufwand bedeuten und Ärzte haben das nunmehr gemacht, was sie selten und vor allem aus Zeitmangel heraus oft nicht machen: Sie haben sich zusammen­geschlossen und Solidarität miteinander gezeigt, haben Protest gegen diese Zunahme bürokratischer Hürden eingelegt und begonnen, alternative Organisationsstrukturen aufzubauen und parlamentarischen Druck gegen ihre eigene Ärztekammer auszuüben.

Diese Gegenmaßnahmen steckten zwar erst in den Kinderschuhen, haben aber einen deutlichen Erfolg gezeitigt: Diese geänderte und neue Fortbildungsordnung wurde zunächst einmal aufs Eis gelegt, und sie wird voraussichtlich sogar langfristig abgesetzt.

Die Mitteilung hierzu wurde am 3. Februar 2015 verschickt und im Arztzimmer meines Krankenhauses wurde dieses Thema ausführlich diskutiert. Die meisten meiner Kollegen und auch ich, müde von einem langen und visitenreichen Tag, freuten uns zwar mit den wenigen Feiernden, sprachen gar ein paar Minuten mit ihnen über diesen Erfolg, aber hatten sich weder an den Gegenmaßnahmen beteiligt noch feierten wir so recht mit. Wir waren einfach zu müde und gingen zügig nach Hause um hoffentlich bald ins Bett zu gehen, um für den nächsten Arbeitstag vorbereitet zu sein.

Es war ein wichtiger Tag und Sieg gegen Zunahme der Bürokratie gewesen, aber uns fehlte die Energie, uns darüber zu freuen. Dieses ist wohl der Grund, weshalbÄrzte so wenig Solidarität miteinander zeigen: Sie sind oftmals schlichtweg einfach zu müde oder überar­beitet und damit leicht Opfer ihnen übergeordneter Strukturen.


Bookmark-Service:
81/298
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs